Nach kurz(weilig)en Tagesetappen durch den Banff und Jasper National Park warten bei der Weiterreise durch Kanada die beiden längsten Fahrten unseres Roadtrips. Es gilt etliche Kilometer endloser Straßen und eine weitere Zeitzone hinter uns zu lassen, den Regionswechsel von Alberta nach British Columbia zu vollziehen und vor allem: voranzukommen. Doch nicht ohne Übernachtungsstopps im weniger überlaufenen Wells Gray Provincial Park und der ehemaligen Olympiastadt Whistler.

Von Jasper nach Clearwater
Zeitzonenwechsel nach British Columbia

Mount Robson · Eleanor Lake · Clearwater

Rund dreieinhalb Stunden Autofahrt liegen vor uns, als wir den Jasper National Park hinter uns lassen. Unser heutiges Ziel: Clearwater, Ausgangspunkt für Tagestouren in den Wells Gray National Park. Entlang der Strecke gibt es laut einer kurzen Recherche am Vorabend nicht viel zu sehen und so wollen wir so rasch als möglich nach Clearwater kommen. Nach der ersten Stunde Fahrt und einer endlos erscheinenden Überlandstraße, entscheiden wir uns dann doch für einen ersten kurzen Zwischenstopp. Wir stehen am Fuße des Mount Robson, mit 3.954 Meter der höchste Berg in den kanadischen Rocky Mountains. Von hier aus würden zahlreiche Tagestouren in den Mt. Robson Provincial Park führen, doch dazu reicht die Zeit nicht. Vielmehr decken wir uns im Visitor Centre mit Broschüren für die nächsten Tage ein, genießen auf der Terrasse den imposanten Blick auf den schneebedeckten Berg und setzen die Fahrt schon bald wieder fort.

Mount Robson | © individualiciousMount Robson | © individualicious  Mount Robson | © individualicious

Nach etwa weiteren 100 Kilometern Fahrt, beginnen wir Ausschau nach einem geeigneten Platz für unsere Mittagspause zu halten. Bereits in Jasper hatten wir noch einen Supermarkt geplündert und uns für die Fahrt eingedeckt. Im kleinen Örtchen Blue River werden wir schlussendlich auch fündig: Der Eleanor Lake entpuppt sich als der perfekte Platz zum Picknicken. Da uns der See so gut gefällt und die Sonne ordentlich vom Himmel strahlt, entscheiden wir uns kurzerhand für eine Abkühlung im Wasser. Endlich! Hatte ich mich doch zuvor schon gewundert, weshalb in den vielen Seen in den National Parks (mit Ausnahme des Edith Lake) kein Badebetrieb herrschte. Erfrischt lassen wir uns am Steg noch etwas von der Sonne wärmen, bevor wir die letzten 100 Kilometer Fahrt antreten.

Kanada | © individualicious

Angekommen in Clearwater, checken wir in unserer Unterkunft für die kommenden beiden Nächte ein und entscheiden uns kurzerhand, den Tag am See ausklingen zu lassen. Denn die direkte Lage am Dutch Lake ist viel zu verlockend, als nach 12 Tagen ständigen Fahrens und Sightseeings nicht einfach mal faul in der Sonne zu liegen und zu baden. Zwar sind hier die Stechmücken lästig ohne Ende, so dass ich die nächsten Tage von starkem Juckreiz geplagt bin, doch die Landschaft ist es allemal wert. Darüber hinaus dürfen wir uns einen der bereitstehenden Grills der Unterkunft schnappen, so dass wir darauf verzichten, ein Restaurant aufzusuchen und viel lieber selbst Gegrilltes auf unserer Terrasse mit Seeblick genießen.

Dutch Lake. Clearwater | © individualiciousDutch Lake. Clearwater | © individualiciousDutch Lake. Clearwater | © individualicious  Dutch Lake. Clearwater | © individualicious

Wasserfälle pur
Wells Gray Provincial Park

Moul Falls · Dawson Falls · Helmcken Falls

Am nächsten Tag sind wir jedoch wieder voller Tatendrang und nach einem Frühstück am Balkon machen wir uns auf in den Wells Gray Provincial Park. Anders als in den National Parks, ist hier keine Parkgebühr zu entrichten. Der Wells Gray Provincial Park ist durchzogen von zahlreichen Wasserfällen und so bestimmen ebendiese unseren Tag. Entlang des so genannten Wells Gray Korridor, dem leicht zugänglichen Areal des Provincial Parks, befinden sich zahlreiche Stopps. Neben den Dawson Falls, den so genannten Little Niagara Falls, beeindruckt mich vor allem der Helmcken Falls. Mit einer Fallhöhe von 141 Metern ist er zudem der viertgrößte Wasserfalls Kanadas.

Highlight des Tages ist aber ohne Zweifel der Moul Falls. Über eine knapp einstündige Wanderung, die landschaftlich wenig zu bieten hat, gelangt man zur Aussichtsplattform des Moul Falls. Hier führt ein steiler Pfad hinab zum Becken des Wasserfalls – und zugleich zum Ausgangspunkt für ein Mini-Abenteuer. Die Besonderheit des Moul Falls ist die Zugänglichkeit, denn auch wenn auf den ersten Blick nicht direkt erkennbar, führt ein kleiner Pfad hinter den Wasserfall und auf der anderen Seite wieder hinaus. Ein ziemlich nasses Vergnügen, was mir eine patschnasse Kleidung beschert, die ich regelrecht auswinden kann. Zurück geht’s allerdings nur über den selben Weg, so dass man garantiert nicht trockenen Fußes wieder am Ausgangspunkt ankommt. Macht nichts, das Vergnügen war es definitiv wert und die Sonne ist kräftig genug, mich auf dem Rückweg bis zum Auto wieder vollständig zu trocknen.

Die Mittagsstopp führt uns zum etwas abgelegenen Green Mountain Viewtower. Wir haben Glück, es ist weit und breit kein anderes Auto zu sehen, so dass wir gemütlich und mit bestem Blick über den Provincial Park am Turm oben unser mitgebrachtes Essen genießen. Auch wenn uns die Wanderung zu den Trophy Mountain Alpine Meadows noch gelockt hätte, schlussendlich entscheiden wir uns am Nachmittag aufgrund der anhaltenden Hitze dagegen. Gut 37° zeigt das Thermometer und die Hitze ist tatsächlich kaum auszuhalten. Schlussendlich fahren wir zurück zu unserer Unterkunft, erfrischen uns im Dutch Lake und lassen uns erneut das Fleisch vom Grill schmecken.

Wells Gray Provincial Park | © individualicious  Wells Gray Provincial Park | © individualiciousWells Gray Provincial Park | © individualiciousWells Gray Provincial Park | © individualicious

Sea-to-Sky
Quer durch British Columbia nach Whistler & Vancouver

Kamloops Lake · Whistler · Sea-to-Sky-Highway

Mit rund 420 Kilometern und gut 5 Stunden Fahrzeit wartet am nächsten Tag die längste und mühseligste Etappe auf uns. Wir lassen Clearwater hinter uns und steuern die Olympiastadt Whistler an – ein Übernachtungsstopp auf unserem Weg nach Vancouver Island.

So abwechslungsreich die Fahrt durch Wälder, karge Landschaften und kleine Ortschaften auch ist – sie zieht sich. Entlang der Strecke gibt es einerseits kaum lohnenswerte Stopps, andererseits wollen wir auch einfach nur rasch vorwärts kommen. Die einzig längere Pause, die wir an diesem Tag einlegen ist am Kamloops Lake, wo nicht nur die Aussicht an sich, aber auch die Picknickmöglichkeiten dank des großartigen Panoramas einen Stopp wert sind.

Kamloops Lake | © individualiciousKamloops Lake | © individualicious

Am späten Nachmittag erreichen wir schlussendlich Whistler. Nach dem Check-In im Hotel heben wir uns einen Spaziergang durch den Ort für’s Abendessen auf und entscheiden uns zunächst für eine Abkühlung am See. Der Lost Lake liegt am Ortsrand und ist definitiv einen Ausflug wert. Nicht nur der See, eingebettet in ein tolles Panorama, sondern auch die Atmosphäre ringsum begeistert uns schnell. Ein Blick auf die Orts- und Panoramakarte bestätigt uns, was uns ohnehin langsam dämmert: liebend gerne hätten wir Whistler nicht nur als Übernachtungsstopp genutzt, sondern wären gerne noch eine weitere Nacht geblieben, um die umliegenden Berge per Bike oder zu Fuß zu erkunden.

Zahlreiche Berichte die wir zuvor gelesen hatten, beurteilten Whistler als eben genau das, wofür wir es eingeplant hatten – als Mittel zum Zweck für eine schnelle Zwischenübernachtung. Leider hatten wir uns nicht ausreichend mit den Möglichkeiten beschäftigt, welche Whistler aber definitiv bietet. Wandern, Mountainbiken, Peak-2-Peak-Gondola – Whistler ist im Sommer eine junge Stadt mit vielen jungen Kanadiern aber auch Touristen, die für eine entspannt-lockere Atmosphäre im Ort sorgen. Schade, aber umbuchen ist leider nicht mehr möglich, so dass wir mit etwas Bedauern Whistler am nächsten Tag hinter uns lassen.

Lost Lake, Whistler | © individualiciousLost Lake, Whistler | © individualiciousWhistler | © individualiciousWhistler | © individualicious

Entlang des Sea-to-Sky-Highways führt uns die Fahrt an die Küste Vancouvers. Als Verbindung von der Pazifikküste mit den Bergen der Coast Mountains, erlangte die Route vor allem zu Zeiten von Olympia große Bekannt- und danach Beliebtheit. Wir planen für die knapp 1,5-stündige Fahrt, die ab und an Sehenswürdigkeiten zu bieten hätte, jedoch keine Stopps ein, sondern steuern auf direktem Weg das Fährterminal von BC Ferries an, um von der Horsehoe Bay nach Nanaimo überzusetzen und die nächsten vier Tage auf Vancouver Island zu verbringen.

Sea-to-Sky-Highway | © individualicious

Übernachten

Wells Gray Provincial Park
Jasper Way Inn

Es ist was es ist: ein Motel. Doch über die einfachen und in die Jahre gekommenen (aber dennoch sauberen) Zimmer lässt es sich aufgrund der direkten Lage am See gerne hinweg sehen. Ebenso ein großer Pluspunkt: die kostenlose Grillmöglichkeit und die gute Lage am Eingang zum Wells Gray Provincial Park.

Whistler
Summit Lodge Boutique Hotel

Ein Kontrast zum einfachen Motel in Clearwater. Modernes, junges Hotel mit großzügigen Zimmern, die alles haben: großes Doppelbett, Sofa, Kitchenette, Balkon, kostenloser Kaffee und vor allem eine zentrale Lage direkt in Whistler. Die Parkmöglichkeit ist etwas entfernt, über Nacht jedoch kostenlos. Hauseigenes Restaurant.

Gut zu wissen

Im Gegensatz zu den National Parks sind die Provincial Parks in Kanada weit weniger besucht – das Augenmerk vieler Touristen liegt ausschließlich auf den National Parks. Die öffentlichen Einrichtungen wie das Visitor Centre, Parkmöglichkeiten oder WC-Anlagen sind aber nicht minder gut.

Die Entfernungen zwischen Jasper – Clearwater – Whistler sind nicht zu unterschätzen. Zwar klingen die Kilometer auf Papier nicht allzu schlimm, in der Praxis kann es aber bei hohem Verkehrsaufkommen, Lastwagen-Verkehr und bedingt durch durchgehende Landstraßen, die auch mal durch Ortschaften führen, mühselig werden. Ebenso wichtig: rechtzeitig tanken! Denn gerade auf diesen Etappen sind Tankstellen teilweise etliche Kilometer voneinander entfernt.

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