Vancouver Island ist die größte nordamerikanische Insel im Pazifik und gehört zur Provinz von British Columbia. Mit einer Länge von rund 450 Kilometer in Nord-Süd-Erstreckung und einer Fläche von gut 31.000 km² sind die Entfernungen nicht zu unterschätzen. Vancouver Island verfügt über eine abwechslungsreiche Landschaft, von der rauen Pazifikküste im Westen über Berge im Landesinneren bis hin zur klimatisch gemäßigten Ostküste mit den am stärksten besiedelten Städten Nanaimo und Victoria.

Von Vancouver gibt es mehrere Fährverbindungen nach Vancouver Island. BC Ferries steuert von den Fährterminals im Norden Vancouvers (Horseshoe Bay) auf direktem Weg Nanaimo und im Süden (Tsawwassen) Victoria an. Die Verbindungen gehen in der Hauptsaison beinahe stündlich in beide Richtungen und kosten für einen Mittelklassewagen und zwei Personen knapp € 65,- pro Strecke. Die Reservierung vorab lohnt sich, um einen garantierten Platz auf der gewünschten Fähre zu haben.

The Cabins at Terrace Beach
1090 Peninsula Rd, Ucluelet, BC V0R 3A0, Kanada
www.thecabins.ca

The Craigmyle B&B
1037 Craigdarroch Rd, Victoria, BC V8S 2A5, Kanada
www.thecraigmyle.com

BC Ferries | © individualicious
 

So viel sei zu Beginn verraten: die Fährfahrt von Victoria zurück nach Vancouver ist eigentlich spannender und landschaftlich reizvoller als die Hinfahrt nach Nanaimo. Dennoch ist die Überfahrt ein kleines Highlight für sich. Immerhin lassen wir nach zwei Wochen das kanadische Festland hinter uns und setzen samt Mietwagen für die nächsten vier Tage nach Vancouver Island über. Eine Insel, deren Entfernungen man besser nicht unterschätzen sollte, ist sie immerhin 450 km lang – und hat so einiges zu bieten.

Wir kommen am frühen Nachmittag am Fährterminal in Nanaimo an und machen uns direkt auf den Weg an die Westküste. Es warten zwei Nächte im Pacific Rim National Park, im kleinen Surferort Ucluelet, bevor es im Anschluss für weitere zwei Nächte nach Victoria, der Hauptstadt der Provinz British Columbia, geht. Die Fahrt ist mit rund zweieinhalb Stunden nicht gerade ein Katzensprung und uns dämmert langsam, dass wir bedingt durch die Abreise aus Whistler am frühen Morgen beinahe den ganzen Tag im Auto verbringen, als viel zu sehen und zu erleben.

PACIFIC RIM NATIONAL PARK.

Doch nach gut einer Stunde Fahrt bietet sich zumindest ein Zwischenstopp an: Am MacMillan Provincial Park, besser bekannt als Cathedral Cove und direkt am Highway 4 gelegen, bestaunen wir einen riesigen Bestand an bis zu 800 Jahre alten Douglasien-Bäumen. Es ist beeindruckend, die meterhoch in die Höhe ragenden Bäumen mit einem Umfang von bis zu neun Metern aus unmittelbarer Nähe zu betrachten. Umgestürzte Stämme und freigelegte Wurzeln verdeutlichen die Dimensionen umso mehr, als dass es einige dutzend Schritte benötigt, um die volle Länge eines Baumes abzugehen. Kein Wunder, dass das Betreten des Parks bei Schlechtwetter und starkem Wind äußerst gefährlich ist und man auch sonst mit wachem Auge den ausgewiesenen Pfaden folgen sollte. Es ist zugleich das erste Mal, dass ich mich in einem Regenwald befinde und so bin ich von der Flora und Fauna zugegeben überaus angetan. Farn bedeckt den Boden, von den uralten Ästen der Mammutbäume hängen Moose und Flechten. Die Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch das Dickicht der Bäume, die bis zu 70 Meter hoch werden können, und tauchen den Regenwald am frühen Nachmittag in eindrucksvolle Farben.

Cathedral Cove | © individualicious  Cathedral Cove | © individualiciousCathedral Cove | © individualicious

Nach weiteren 120 km Fahrt erreichen wir frühabends schlussendlich unser Ziel: The Cabins at Terrace Beach – eine der besten, wenn nicht sogar DIE beste Unterkunft, der gesamten Reise. Wir beziehen eine Deluxe Lodge Suite unweit des Hauptgebäudes und sind vom Zimmer und vor allem der Aussicht einfach nur beeindruckt. Egal aus welchem Fenster wir sehen, blicken wir direkt in den Regenwald – und erspähen von der großzügigen Terrasse sogar das Meer. Ein riesiges Doppelbett und eine Sitzecke mit eigenem Kamin sorgen für ein überaus gemütliches Ambiente und beinahe würde ich mir wünschen, länger als nur zwei Nächte zu bleiben.

Nach einer ersten Erkundungstour wollen wir uns nach der langen Autofahrt noch die Beine vertreten und landen nur wenige Schritte von unserer Unterkunft entfernt direkt am Ausgangspunkt eines Teilabschnittes des Wild Pacific Trail. Dabei handelt es sich um einen 8,8 km langen (jedoch nicht durchgängigen) Trail an der Westküste von Vancouver Island, der immer wieder Ausblicke auf den Pazifik ermöglicht, durch Regenwälder und entlang des Brown’s Beach führt. Wir befinden uns am Abschnitt des Lighthouse Loop, einem 2,6 km langen und leicht begehbaren Rundweg im Süden von Ucluelet. Der Trail ist mit 30-45 Minuten Gehzeit veranschlagt, die stets wechselnden Ausblicke und vielen Bänke entlang des Weges sorgen jedoch dafür, dass wir rund eineinhalb Stunden unterwegs waren.

The Cabins at Terrace Beach | © individualiciousThe Cabins at Terrace Beach | © individualicious  The Cabins at Terrace Beach | © individualiciousThe Cabins at Terrace Beach | © individualiciousThe Cabins at Terrace Beach | © individualiciousWild Pacific Trail | © individualiciousWild Pacific Trail | © individualiciousWild Pacific Trail | © individualicious  Wild Pacific Trail | © individualiciousWild Pacific Trail | © individualicious

Am nächsten Tag gönnen wir uns ein super leckeres Frühstück bei Zoe’s Bakery & Café (absolute Empfehlung!) im Ortszentrum, bevor wir uns auf weitere Erkundungstour des Nationalparks begeben. Wir fahren in nördliche Richtung und halten zunächst am Wickaninnish Beach, wo wir mit etwas Glück einen Seelöwen im Wasser entdecken und einen kurzen Abstecher ins Kwisitis Visitor Centre machen. Aufgrund einer aktuellen Bärenwarnung lassen wir den South Beach aus und fahren weiter zu unserem nächsten Ziel: dem Combers Beach. Denn unsere Karte verrät, dass hier eigentlich der beste Platz zum Seelöwn-Spotten ist. Und tatsächlich: Auf den aus dem Meer ragenden Felsen nur wenige Meter vom Strand entfernt, sind etliche Seelöwen zu erkennen. Leider ein klein wenig zu weit entfernt, um sie mit bloßem Auge gut beobachten zu können, doch dank Kamera zoomen wir die Meeresbewohner zumindest etwas näher heran.

Die Westküste des Pacific Rim wird seinem Image gerecht und zeigt sich von seiner rauen Seite, dennoch nutzen wir die Gelegenheit zu einem ausführlichen Strandspaziergang, bei dem wir weiterhin Seelöwen beobachten, riesige (vertrocknete) Krebsschalen und Muscheln im Sand entdecken. Als der Regen einsetzt, spazieren wir zurück zum Auto und nutzen am angrenzenden Long Beach die Gelegenheit, den Surfern beim Wellenreiten zuzusehen. Glücklicherweise nimmt der Regen bald ab, so dass wir unsere, bei Zoe’s Bakery erstandenen Sandwiches und Salat, am Strand genießen können. Und während ich am Baumstamm sitze und genüsslich in mein Brot beiße, traue ich zunächst meinen Augen nicht. Doch als nur wenige Augenblicke später erneut eine kleine Fontäne im Wasser zu sehen ist, bin ich mir sicher: ein Wal! Leider lässt dieser sich nicht oberhalb des Wassers blicken, doch immer und immer wieder stößt er eine Fontäne in die Luft, während nur wenige Meter weiter die Surfer nichtsahnend am Brett stehen.

Zoe's Bakery, Ucluelet | © individualiciousPacifi Rim National Park | © individualiciousPacifi Rim National Park | © individualicious  Pacifi Rim National Park | © individualiciousPacifi Rim National Park | © individualiciousPacifi Rim National Park | © individualiciousPacifi Rim National Park | © individualicious  Pacifi Rim National Park | © individualiciousPacifi Rim National Park | © individualicious

Den Nachmittag verbringen wir in Tofino, dem größeren der beiden Orte im Pacific Rim National Park. Dass es sich hier um den Surfer-Hotspot der Westküste handelt, ist nur unschwer zu erkennen. Bereits an der Ortseinfahrt reiht sich ein Surf-Shop an den nächsten, die Urlauber hier sind vor allem eins: cool. Dennoch ist die Atmosphäre in Tofino entspannt und gemütlich. Kleine Cafés, Läden und Shops laden zum Bummeln ein. Durch Zufall landen wir nach einem Spaziergang durch den Ort im Laden von Tofino Sea Kayaking, die nicht nur geführte Kajak-Touren anbieten, sondern zugleich ein kleines Café mit Terrasse führen. Wie sich herausstellt, nicht nur der beste Platz, um die Kajakern beim Paddeln zu beobachten, sondern auch die Wasserflugzeuge von Tofino Air starten und landen zu sehen.

Tofino | © individualiciousTofino | © individualicious  Tofino | © individualiciousTofino | © individualicious

VICTORIA & UMGEBUNG.

Am nächsten Tag lassen wir die raue Westküste hinter uns und setzen unsere Fahrt fort in Richtung Victoria. Kaum an der Ostküste von Vancouver Island angekommen, bessert sich auch augenblicklich das Wetter. Die Fahrt nach Victoria erweist sich als langatmig, nicht zuletzt da wir auf gleicher Straße den gesamten Weg bis Nanaimo retour müssen und von dort aus immer noch über eine Stunde Fahrt vor uns haben.

Nach Ankunft in Victoria und Bezug unserer Unterkunft, hält uns also nichts lange am Zimmer, so dass wir uns direkt auf ins Zentrum machen. Mit rund 85.000 Einwohnern hat Victoria eine stattliche Größe, immerhin ist es auch die Provinzhauptstadt von British Columbia. Schnell wird der britische Einfluss an zahlreichen Ecken und Gebäuden erkennbar, den wir bereits bei unserem B&B festgestellt hatten. Das (touristische) Zentrum Victorias befindet sich am alten Hafen. Dort, wo das imposante Fairmont Hotel, das Royal Museum of British Columbia und das Regierungsgebäude aufzufinden sind. Hier ist es auch, wo die Ausflugsboote und Passagierfähren nach Vancouver ablegen und an lauen Sommerabenden zahlreiche Einheimische und Touristen die letzten Sonnenstrahlen des Tages genießen.

Am nächsten Tagen setzen wir unseren Stadtbummel durch Victoria fort. Wir spazieren zunächst in Richtung Chinatown, den hier soll es mitunter die kleinsten (und süßesten) Gassen der Stadt geben. Und ja, die Fan Tan Alley entpuppt sich tatsächlich als winzig schmal, mit einigen Shops zum Stöbern. Auf dem Weg dorthin kommen wir am Market Square vorbei, einem einladenden Areal mit Boutiquen, Restaurants und Cafés. Generell sind die Straßen rund um Chinatown mitunter das schönste Viertel in Victoria, hier gibt es auch die besten Möglichkeiten zum Shoppen und Abendessen.

Victoria BC | © individualicious

Rechtzeitig zur Mittagszeit wartet (m)ein eigentliches Highlight in Victoria auf uns: die Fahrt mit dem Wassertaxi nach Fisherman’s Wharf. Gemütlich tuckern wir für wenige Dollar vom Hafen zum Touristenmagneten schlechthin. Und auch wenn hier einiges los ist, lohnt sich der Besuch dennoch. Bunte Hausboote reihen sich an den Docks aneinander, Outdoor-Anbieter locken mit Walbeobachtungen und Kayak-Touren und Imbiss-Stände sorgen mit frischen Fischgerichten für das leibliche Wohl. Wir können der Versuchung nicht widerstehen und gönnen uns beim the fish store ein Austernsandwich und Thunfisch-Tacos. Vollste Empfehlung! Über die Uferpromenade spazieren wir in etwa einer halben Stunde wieder zurück ins Zentrum und genießen dabei den Ausblick auf die Skyline von Victoria und den regen Schiffs-, Boots- und Wasserflugzeugverkehr am Wasser.

Victoria BC | © individualiciousVictoria BC | © individualicious  Victoria BC | © individualiciousVictoria BC | © individualiciousVictoria BC | © individualicious  Victoria BC | © individualicious

Den letzten Nachmittag auf Vancouver Island möchten wir nochmal für einen Ausflug in die Umgebung nutzen und steuern den Goldstream Provincial Park, rund zwanzig Autominuten entfernt, an. Nach gerade Mal fünf Gehminuten stehen wir unerwartet schnell an unserem eigentlichen Ziel: dem Niagara Creek Fall. Eigentlich nur ein weiterer Wasserfall auf unserer Reise, wäre da nicht die unglaublich große Versuchung, in dem kleinen naturbelassenen Pool zu baden. Gedacht, gesagt, getan und so plantschen wir nur wenige Minuten später im eiskalten Wasser des rund 47 m hohen Wasserfalls. Eine Besonderheit für sich, welche dringend zur Nachahmung empfohlen ist! Im Anschluss an die Abkühlung machen wir uns noch auf zu einer kurzen Wanderung zum Goldstream Trestle, einer stillgelegten Eisenbahnbrücke, welche einst die Canadian Pacific Railway über den Fraser River führen sollte. Das Begehen der Brücke ist zwar nicht ausdrücklich untersagt, wird auf der offiziellen Website jedoch auch nicht empfohlen, dennoch ist es für Mutige ohne Höhenangst (keine Absicherung und volle Sicht nach unten) ein Abenteuer für sich.

Niagara Creek Falls | © individualiciousGoldstream Trestle | © individualiciousGoldstream Trestle | © individualicious  Goldstream Trestle | © individualicious

Den Abend und somit den Aufenthalt auf Vancouver Island lassen wir dann bei Pizza und Aperitif in einem Lokal in Chinatown ausklingen, bevor es am nächsten Tag mit der Fähre zurück nach Vancouver geht.

WISSENSWERTES.

  • Die Überfahrten von und nach Vancouver Island lassen sich schon einige Wochen vorab über die Website von BC Ferries buchen. Konkret bedeutet dies: es wird eine Reservierungsgebühr von knapp € 15,- (für beide Strecken) eingehoben, welche dann vor Ort den eigentlichen Kosten (€ 65,- für 2 Personen / 1 Kfz pro Strecke) für die Fahrt angerechnet wird. Eine Reservierung ist durchaus empfehlenswert. Bei zu großem Andrang am Fährterminal ist ein Platz am Schiff nur mit Reservierung garantiert. Ansonsten kann es durchaus passieren, dass man auf die nächste Fähre warten muss. 60 Minuten vor Abfahrt öffnet das Terminal, 30 Minuten davor schließt es und das Verladen der Autos beginnt. Bei der Rückreise nach Vancouver hatten wir Glück: Wir hatten eine Reservierung für die Fahrt um 10 Uhr, waren bereits um kurz nach 9 Uhr am Terminal und durften als eines der letzten zehn Autos noch direkte auf die 9 Uhr-Fähre mit.

  • Der Pacific Rim National Park, an der Westküste von Vancouver Island, obliegt ebenfalls der Administration von Parks Canada, weshalb am Visitor Center an der Einfahrt zu den beiden Orten Ucluelet und Tofino üblicherweise eine Gebühr ($ 7.80 pro Person/Tag) zu entrichten ist. Ansonsten ist das Parken und der Besuch des Nationalparks nicht gestattet und Reisende könnten lediglich auf der Hauptverbindungsstraße zwischen den beiden Orten durchfahren. Für Kurzentschlossene gibt es an einigen Parkplätzen Automaten, an denen die Gebühr auch kurzfristig bezahlt werden kann. Wir hatten Glück und waren genau an den beiden Tagen im Pacific Rim National Park, als keine Gebühr erhoben wurde.

BC Ferries | © individualiciousBC Ferries | © individualiciousBC Ferries | © individualicious

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