Spätsommerliche Temperaturen und deutlich weniger Touristen als im Hochsommer machen Sizilien, die größte Insel im Mittelmeer, auch im Oktober noch zu einem lohnenswerten Reiseziel.

Einst eine Landbrücke zwischen den beiden Kontinenten Afrika und Europa und heute lediglich durch drei Kilometer von Italiens Festland entfernt, ist Sizilien nicht nur ein beliebtes Ziel für Urlauber aus der ganzen Welt, sondern auch bei Italienern selbst. Als authentischer und ursprünglicher als der Rest Italiens würde so manch einer Sizilien wohl beschreiben. Als ein eigener, in sich geschlossener Teil Italiens. Und irgendwie stimmt diese Beschreibung auch, sehen sich die Bewohner doch vorrangig als Sizilianer statt Italiener. Zudem ist die Insel eine autonome Region mit eigenem Parlament. Während einer zehntägigen Rundreise quer über die Insel erhalten wir einen Einblick in Land und Leute. In eine Insel, die durch den Kontrast und die Vielfalt an Bergen, Meer und Städten nie langweilig zu werden scheint.

Marode Schönheit
PALERMO

Ein klein wenig chaotisch, aber noch lange nicht so wie befürchtet, zeigt sich der Verkehr in der sizilianischen Hauptstadt bei unserer Ankunft. Hie und da eine Hupe. Eine Vespa, die sich eifrig von rechts nach links durchkämpft. Und doch ruhiger und gelassener als erwartet. Herabgekommene Wohnhäuser ziehen am Fenster vorbei, die Vororte Palermos zeigen die arme Seite der Insel. 1,2 Millionen Einwohner zählt die Provinz Palermo, mehr als 670.000 leben alleine in Palermo Stadt.

Die Piazza Quatro Canti im Centro Storico ist der ideale Ausgangspunkt für einen Stadtbummel. Der Platz ist von vier jeweils dreistöckigen Barockpalazzi mit jeweils einem Brunnen umgeben und führt in Nord-Süd und Ost-West-Erstreckung entlang der Via Maqueda bzw. Via Vittoria Emanuele zu einigen markanten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Altstadt Palermos ist von zahlreichen prachtvollen Kirchen, sakralen Bauten und Burgen durchzogen, besonders eindrucksvoll ist die Piazza Pretoria mit dem mächtigen Fontana Pretoria und den umliegenden Palästen.

Über die Via Vittoria Emanuele spazieren wir in östliche Richtung bis zur Cattedrale di Palermo, dessen Dach für Besucher zugänglich ist und einen Ausblick über die Dächer Palermos bis weit ins Landesinnere und zum Meer bereithält. Über verwinkelte Altstadtgassen mit Marktständen, einem kleinen Fischmarkt und den typisch italienischen Häuserfassaden, an denen frisch gewaschene Wäsche zum Trocknen hängt, orientieren wir uns in Richtung Hafen. Nach einer Stärkung in einer kleinen Trattoria in einer unscheinbaren Seitengasse spazieren wir entlang der Hafenpromenade zurück zu unserem Auto und lassen die Hauptstadt Siziliens hinter uns.

Es ist schwer, Palermo auf den ersten Blick zu erfassen. Heruntergekommen und arm wirkt die Stadt, wenn man sich zum ersten Mal auf den Weg in das historische Zentrum macht. Prachtvoll und elegant, wenn man den ersten Eindruck zur Seite schiebt und die prunkvollen Bauten und eleganten Sizilianer auf sich wirken lässt. Palermo ist kontrastreich, kann und sollte nicht in eine Schublade geschoben werden. Wer Palermo begreifen will, muss die marode Schönheit der Stadt uneingenommen auf sich wirken lassen. Und davon absehen, sie mit anderen italienischen Städten vergleichen zu wollen.

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Unterwegs im Naturreservat
SIZILIENS WESTEN

Als wir den Feierabendverkehr in Palermo hinter uns lassen, steuern wir eine kleine Bucht am nordwestlichen Ende Siziliens an – im kleinen Städtchen San Vito lo Capo liegt unser Bed&Breakfast für die kommenden beiden Tage. Eingebettet zwischen zwei Naturreservaten ist der Ort ein beliebter Badeort und erinnert durch die kleinen, weiß gestrichenen Häuser an die beliebten Surferspots an der Algarve. Dass San Vito lo Capo vom Tourismus lebt ist unschwer zu erkennen. Hotels durchmischen sich mit Restaurants und Cafés. Jetzt im Oktober sei der Ort fast ausgestorben, erklärt uns unsere Gastgeberin. Überrascht stellen wir bei einem Spaziergang etwas später jedoch fest, dass einige Menschen auf den Beinen sind. Wir können uns nur ausmalen, wie trubelig es in den Gassen in der Hauptsaison sein muss.

Abends lernen wir eine sizilianische Besonderheit kennen, welche besonders im Bezirk Trapani vorzufinden ist: Couscous. Einst von den Arabern nach Sizilien gebracht, erfreut sich das Gericht heute immer noch großer Beliebtheit. Anders als in Marokko wird Couscous auf Sizilien jedoch weniger mit Fleisch als vielmehr mit Fisch serviert und ist in den meisten Restaurants auf der Speisekarte zu finden. Der Couscous ist in der Region sogar so beliebt, dass jährlich Ende September das internationale Couscous-Festival in San Vito lo Capo stattfindet.

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Ein besonderes Ziel in der Gegend ist das Naturschutzgebiet Riserva Naturale dello Zingaro. Sieben Kilometer erstreckt sich das Gebiet entlang der Küste und führt teilweise bis auf eine Höhe von 914m. Zwei Zugänge, jeweils im Norden und Süden, führen in das Naturreservat, wo sich zugleich Parkplätze befinden und die Eintrittsgebühr von ein paar Euro zu entrichten ist. Besucher können aus drei verschiedenen Wanderwegen wählen: dem Küstenweg, dem Panoramaweg und dem Höhenweg. Immer wieder kreuzen die Wege oder ermöglichen den Wechsel über Verbindungswege. Wir wählen für den Hinweg den Panoramaweg und passieren immer wieder kleine, verlassene Häuser und Museen die Einblick in das frühere Handwerk und Leben geben. An der Cala della Disa legen wir unsere Mittagspause ein, entscheiden uns aufgrund des hohen Wellengangs jedoch gegen ein erfrischendes Bad zwischen den Felsen und spazieren über den Küstenweg zurück zum Ausgangspunkt. Nicht jedoch, ohne an der Torre dell’Uzzo zu stoppen und die weitläufigere Bucht für einen kurzen Badestopp zu nutzen.

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Als wir am nächsten Tag die nordwestliche Landzunge hinter uns lassen, fahren wir einen Umweg über das mittelalterliche Bergdorf Erice. Auf 751m Höhe gelegen, bietet das Dorf auf dem gleichnamigen Berg einen Ausblick über den Bezirk Trapani. Wir bummeln durch die Gassen und bekommen zu spüren, wovor unser Reiseführer bereits gewarnt hat – selbst an strahlend schönen Tagen ist Erice oftmals in Wolken gehüllt, so dass die Temperaturen deutlich niedriger als im Tal sind. Und auch wenn man die Besonderheit des Dorfs vergeblich sucht, hat sich der Umweg hoch über die Serpentinen dann doch irgendwie gelohnt.

Auf der Weiterfahrt in den Süden legen wir einen Stopp im Naturschutzgebiet Isole della Stagione / Saline della Laguna ein. Hier in der Lagune, von der Isola Grande vom offenen Meer getrennt und nie tiefer als 1,5m, liegen die historischen Salinen mit Salzteichen und den malerisch wirkenden Windmühlen. Neugierig, mehr über die Salzgewinnung zu erfahren, entscheiden wir uns spontan zu einer einstündigen Bootsfahrt in der Lagune – um im Anschluss enttäuscht festzustellen, dass wir per Lautsprecher zwar viel über die Lagune und die Landschaft, jedoch so gut wie gar nichts zur Salzgewinnung erfahren.

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Goldfarbene Buchten und Tempel
SIZILIENS SÜDEN

Unser Rundreise durch Sizilien führt uns weiter in den Süden, in die Provinz Agrigento. In einem umfassend renovierten Landhaus, der Masseria Agnello, beziehen wir unser Zimmer für die nächsten Tage. Auf unserer Liste stehen vor allem die Buchten, ausgiebige Badestopps und das Tal der Tempel nahe der Provinzhauptstadt Agrigent. Letzteres erweist sich für uns jedoch nicht sonderlich spannend. Das Valle dei Templi lässt sich am besten als Freilichtmuseum beschreiben, mit einer Vielzahl an griechischen Tempeln aus der Antike. Schon von weitem ragen diese in die Landschaft und umso näher wir kommen, desto mehr stellen wir fest, dass wir bei knapp 30° keine Lust haben kilometerlange Rundwege zu gehen, um alte Tempel aus nächster Nähe zu begutachten. So begnügen wir uns mit einer Fahrt um das Areal, von welchem aus wir ohne Probleme einen Blick auf die wichtigsten Tempel erhaschen und steuern die nahegelegene Küste an.

Viel beeindruckender als das Tal der Tempel erweist sich die Scala dei Turchi. Die weiße, treppenförmige Formation ist ein beliebtes Fotomotiv, entsprechend überlaufen und dennoch einen Besuch wert. Steil fällt die so genannte „türkische Treppe“ von hoch oben bis ins Wasser herab und erlaubt dank der treppenartigen Form, bis weit oben hoch zu gehen.

Aus westlicher Richtung kommend, bietet ein Aussichtspunkt – der Belvedere – einen Blick auf die Scala dei Turchi von oben. Vom wenigen Meter weiter entfernt liegenden Parkplatz führt ein Fußweg in wenigen Gehminuten hinab an den Strand und weiter zur Felsformation. Ein Besuch lohnt vor allem morgens, wenn noch nicht allzu viele Touristen den Weg hierhin gefunden haben. Denn bereits nach kurzer Zeit füllt sich die Treppe mit Selfie-schießenden Urlaubern. Der Name der über die Jahre hinweg von Wind und Wetter geformte Küste ist im Übrigen auf arabische Piraten, salopp „turks“ genannt, zurückzuführen, die ihre Boote hier ankerten, während sie in der Umgebung auf Plündertour gingen.

Scala dei Turchi, Sizilien | © individualiciousScala dei Turchi, Sizilien | © individualicious  Scala dei Turchi, Sizilien | © individualiciousSizilien | © individualiciousSizilien | © individualicious

Siziliens Barockstädte
SIZILIENS SÜDOSTEN

Am nächsten Tag lassen wir die Küste hinter uns und steuern das sizilianische Hinterland an. Unser erstes Etappenziel ist die spätbarocke Kleinstadt Caltagirone, mitunter bekannt als wichtige Wirtschafts- und Keramikstadt. An allen Ecken im Zentrum sind Keramik-Läden und Ateliers zu finden. Highlight der Stadt ist die 142 Stufen umfassende Scala Santa Maria del Monte. Jede einzelne der 142 Stufen ist mit Keramikfliesen verziert, steht man am unteren Ende der Treppe ergibt sich so ein bunter Anblick nach oben bis zur Chiesa Santa Maria del Monte.

Caltagirone, Sizilien | © individualiciousCaltagirone, Sizilien | © individualicious  Caltagirone, Sizilien | © individualicious

Für unseren nächsten Zwischenstopp benötigen wir zwei Anläufe. Denn angekommen in Ragusa, landen wir zunächst irrtümlich im modernen Teil der Stadt und suchen vergebungslos die vielfach angepriesene Altstadt. Erst als wir schlussendlich in der Touristeninformation landen und mit einem Stadtplan in der Hand wieder vor die Tür treten, finden wir den Weg in den zweiten, viel charmanteren Stadtteil Ragusa Ibla. Die alten Gassen winden sich vom unteren Ende der Schlucht bis hoch auf eine Hügelkuppe und zum Giardino Ibleo.

Einem kurzen Regenguss haben wir es schlussendlich zu verdanken, dass wir unsere ersten Cannoli probieren. Eine typisch sizilianische Teigrolle, gefüllt mit einer süßen Creme aus Ricotta und verziert mit kandierten Früchten. Empfehlenswert!

Der letzte Stopp auf unserer Fahrt zur nächsten Unterkunft führt uns nach Modica. Seit 2001 zählt sie mit anderen Städten des Val di Noto zum Weltkulturerbe und ist ein wichtiges Werk des sizilianischen Barocks. Modica teilt sich aufgrund der besonderen Hügel- und Schluchtenlage in die Unterstadt (Modica bassa) und Oberstadt (Modica superiore). Die wichtigste Hauptverkehrsverbindung führt durch die Unterstadt und gibt einen tollen Blick auf die Oberstadt frei. Modica ist bekannt als Schokoladestadt, entlang des Corso Umberto bieten zahlreiche Schokoladegeschäfte herbe Schokolade in unterschiedlichen Variationen zum Verkosten und Verkauf an.

Ragusa, Sizilien | © individualiciousRagusa, Sizilien | © individualicious  Ragusa, Sizilien | © individualiciousRagusa, Sizilien | © individualiciousModica, Sizilien | © individualicious  Modica, Sizilien | © individualicious

Unsere nächste Unterkunft liegt im Val di Noto, nicht weit von Noto entfernt. Noch bevor wir durch die Barockstadt spazieren, steuern wir das antike Noto an. 1693 von einem Erdbeben zerstört, wurde die Entscheidung getroffen, die Stadt nicht wieder aufzubauen sondern wenige Kilometer entfernt neu zu errichten. Und so ist Noto antico heute ein Zeugnis an einstige Zeiten, das für unseren Geschmack für eine Besichtigung wenig zu bieten hat. Noto hingegen ist ein Musterbeispiel für eine Stadt des Sizilianischen Barocks und so ist ein Stadtbummel definitiv eine Empfehlung wert. Cafés und Restaurants laden ein, eine Weile in der Stadt zu bleiben und das Leben in den Straßen bei einem Caffè zu beobachten.

Die Stadt wieder hinter uns gelassen, wollen wir das Riserva Naturale orientata Cavagrande del Cassibile kennenlernen, ein Naturschutzgebiet zwischen Noto und Siracusa. Unser Ziel: die Cava Grande. Vom Parkplatz aus führt ein steiniger, serpentinenartiger Fußweg rund 200 Höhenmeter in die Tiefe. Anspruchsvoll bei warmen Temperaturen und dem steinigen, rutischen Untergrund. Doch die Mühe lohnt sich, nicht nur aufgrund der eindrucksvollen Landschaft. Vielmehr warten nach dem erfolgreichen Abstieg gleich mehrere Süßwasserbecken, die sich hervorragend für ein kühles Bad eignen. Wäre da nur nicht wieder der gleiche Rückweg nach oben…

Cava Grande, Sizilien | © individualiciousCava Grande, Sizilien | © individualicious  Cava Grande, Sizilien | © individualicious

Als eine der schönsten und spannendsten Städte in Sizilien entpuppte sich für mich Siracusa im Südosten der Insel. Die Altstadt selbst liegt auf der Insel Ortigia, früher gänzlich vom Festland getrennt. Heute ist sie durch kleine Brücken mit dem Festland und dem neueren Teil der 122.000 Einwohner großen Stadt verbunden.

Obwohl es auch am Festland einige Sehenswürdigkeiten zu entdecken gäbe, beschränken wir unseren Besuch jedoch auf die Altstadt. Über den Passeggio Aretusa spazieren wir die Promenade entlang, eine Vielzahl an Restaurants zu unserer Linken, das Meer zur Rechten. Am südlichsten Punkt angelangt, stehen wir am Castello Maniace, von wo aus der schier endlose Blick aufs offene Meer beeindruckt.

Über verwinkelte Gassen bummeln wir gemütlich zurück in den Stadtkern, bestaunen Paläste und Kirchen und landen schlussendlich an der Piazza Duomo mit dem Duomo di Siracusa, sowie weiteren Palazzi, dem Rathaus, Museen und Kirchen. Der Platz ist imposant, die Häuserfassaden glanzvoll. Touristen sitzen in den umliegenden Cafés bei einem Sprizz oder Caffè, wir gönnen uns eine Kugel Eis und beobachten das bunte Treiben.

Siracusa, Sizilien | © individualiciousSiracusa, Sizilien | © individualicious  Siracusa, Sizilien | © individualiciousSiracusa, Sizilien | © individualiciousSiracusa, Sizilien | © individualicious  Siracusa, Sizilien | © individualicious

Zwischen Vulkan und Bergdorf
SIZILIENS NORDOSTEN

Genug des Städtebummels, wir lassen Siracusa hinter uns und folgen der Autobahn in nordöstliche Richtung. Wir wollen einen schönen Strand finden und den Nachmittag zum Sonnenbaden nutzen. Nach einer erfolglosen Suche in der Riserva naturale Oasi del Simeto, parken wir unser Auto schlussendlich am Stadtstrand von Giardini-Naxos, wo sich trotz der späten Jahreszeit noch einige Touristen zum Baden einfinden. Eingebettet in die Bucht und Hügellandschaft, genießen wir die Sonne und die Abkühlung im Meer, bevor wir uns zum Abendessen in Taormina aufmachen.

Taormina ist ein kleines Bergdorf, das aufgrund der Lage, des Klimas und der historischen Sehenswürdigkeiten zu den beliebtesten Zielen in Sizilien zählt. Entsprechend voll sind die Gassen am frühen Abend. Touristenströme schieben sich regelrecht durch die beiden Einkaufsstraßen, vorbei an Boutiquen, hin zu Plätzen mit Aussichtspunkten und Restaurants. Sehenswert ist das antike Theater mit Blick auf den Etna, sofern dieser aus der Wolkendecke hervorragt, sowie der Ausblick auf den Golf von Giardini-Naxos und die malerische Insel Isola Bella vor der Küste Taorminas.

Gewissermaßen ein Highlight ist die Gondelbahn der Funivia Taormina, welche das Bergdorf mit der Küste verbindet, so dass die rund 200 Höhenmeter mühelos überwunden werden und ein Stadtbummel mit einem Strandbesuch verbunden werden können. Zwar ist Taormina ein hübsches Städtchen und in jedem Fall einen Ausflug wert, jedoch sollte man sich vorab auf einen regen Besucherstrom und entsprechend volle Gassen einstellen.

Taormina, Sizilien | © individualicious  Taormina, Sizilien | © individualicious

Mit dem Cavanera Etnea, in Castiglione di Sicilia gelegen, haben wir für die kommenden zwei Nächte eine Unterkunft am Fuße des Etna gewählt. Eine gute Wahl, denn wer den Etna besichtigen und gar bis auf die Krater auf über 3.000m möchte, sollte zeitig starten. Denn in der Regel schwingt das Wetter im Lauf des Tages um, so dass die Spitzen des Etna oft schon ab vormittags in Wolken gehüllt sind.

Wir haben Glück und erspähen zumindest beim Frühstück in unserer Unterkunft den Etna in voller Pracht. Doch die aufziehenden Wolken zeigen bereits, dass es kein lohnenswerter Tag für eine „Gipfeltour“ ist. Mit Seilbahn und Geländewagen könnten wir uns auf knapp 3.000m herantasten, mit geführter Tour noch weiter. Auf eigene Faust sind Touren auf den Etna ab einer gewissen Höhe nicht mehr gestattet – und auch nicht empfohlen. Da wir aber weder vorab eine Tour reserviert haben, noch das Wetter vielversprechend aussieht, entscheiden wir uns spontan für eine kleine Wanderung am Monti Sartorius. Denn eine Erkundung der Lavafelder möchten wir uns keinesfalls entgehen lassen.

Die Straßen zum Etna hoch sind gut asphaltiert und ausgeschildert, auch der Ausgangspunkt zu unserer Wanderung in der Nähe des Refugio Citelli ist aufgrund der parkenden Autos nicht schwer zu finden. Auf rund 1.770m starten wir unsere – mit großzügigen Pausen zum Fotografieren – rund 1,5 stündige Wanderung durch die beeindruckende Lava-Landschaft. Zunächst noch durch Birkenwälder und später über feine Vulkanasche führen die gut erkennbaren Wege hoch zu den Kratern. Immer wieder bleiben wir stehen, um die Landschaft aufzusaugen – so beeindruckend ist es, zum ersten Mal inmitten einer Vulkanlandschaft zu stehen. Ein Blick nach oben bestätigt uns darin, mit unserer kurzen Tour die bessere Option gewählt zu haben. In Wolken gehüllt ist die Aussicht vom Etna wohl mehr als eingeschränkt. Als auch bei uns die ersten Nebelfelder einfallen, spazieren wir zurück zum Ausgangspunkt.

Etna, Sizilien | © individualiciousEtna, Sizilien | © individualiciousEtna, Sizilien | © individualicious  Etna, Sizilien | © individualiciousEtna, Sizilien | © individualicious

Bevor wir den Tag am Pool unserer Unterkunft ausklingen lassen und uns eine Kostprobe der Weine aus dem eigenen Gut gönnen, steuern wir zuvor noch die nahegelegene Gole dell’Alcantara an. Die Schlucht am Fluss des Alcantara sind stellenweise bis zu zwanzig Meter hoch und lediglich vier bis fünf Meter breit. Der Zugang ist einerseits kostenpflichtig (€ 6,- für den direkten Weg mit dem Lift nach unten, oder ein paar Euro mehr für einen ausgeschilderten Rundweg mit Blick von oben in die Schlucht) oder über eine frei zugängliche Treppe möglich, welche wir jedoch nicht finden bzw. übersehen.

Als wir aus dem Lift treten, liegt die Schlucht in voller Größe vor uns. Und auch wenn das Vergnügen in Summe wohl keine halbe Stunde dauert, ist eine kleine „Kneippwanderung“ ins Innere absolut empfehlenswert, da es doch ein besonderes Erlebnis für sich ist. Etwa knietief watten wir über kleine Steine und feinen Kies entgegen der Strömung, immer darauf bedacht, nicht nass zu werden. Über uns ragen die Basaltfelsen in die Höhe, rund hundert Meter arbeiten wir uns durch das eiskalte Wasser vor. Tipp: Wer Lust auf etwas mehr Action hat, kann direkt vor Ort auch eine Canyoning Tour durch die Schlucht buchen.

Gole dell’Alcantara, Sizilien | © individualiciousGole dell’Alcantara, Sizilien | © individualicious  Gole dell’Alcantara, Sizilien | © individualicious

Ein Badeort zum Wohlfühlen
SIZILIENS NORDEN

Den Abschluss unserer zehntägige Rundreise durch Sizilien bilden zwei Nächte im kleinen Badeort Céfalu. Ein ideales Ziel, um den Urlaub am Meer ausklingen und das Auto getrost zwei Tage lang stehen zu lassen. Céfalu ist ein beliebtes Ferienziel und selbst im Oktober noch entsprechend belebt. Die hübsche Altstadt direkt am Meer bietet eine abwechslungsreiche Gastronomieszene; Cafés, Restaurants und Bars reihen sich aneinander und selbst Strandbars sind hier zu finden.

Wir genießen es, tagsüber einfach am Strand zu liegen und abends noch einen Aperitif auf unserem Balkon direkt am Strand zu trinken, bevor wir durch die belebten Gassen bummeln und uns ein Restaurant zum Essen aussuchen.

Céfalu ist nicht nur aufgrund der Altstadt spannend, sondern vor allem auch aufgrund seiner Lage. Direkt am Meer ragen die Häuserfassaden in den Sand, nicht mal eine sonst typische Uferpromenade liegt hier noch dazwischen. Und dann liegt das kleine Städtchen direkt am Fuß des Rocca di Céfalu, der vom Meer den Blick auf Céfalu dominiert. Über den (kostenpflichtigen) Zugang, versteckt in der Altstadt, erklimmt man den 250m hohen Berg, auf den es sich in einem Rundweg gut und gerne eineinhalb bis zwei Stunden wandern lässt. Immer wieder bietet sich dabei der Blick über die Dächer Céfalus, weit über die Nordküste Siziliens entlang. Eine willkommene Abwechslung zum Sonnenbaden und eine kleine Anstrengung, für die wir uns im Anschluss mit einem Mittagessen im Strandcafé und einer Abkühlung im wohltemperierten Meer belohnen.

Céfalu, Sizilien | © individualiciousCéfalu, Sizilien | © individualiciousCéfalu, Sizilien | © individualicious  Céfalu, Sizilien | © individualiciousCéfalu, Sizilien | © individualiciousCéfalu, Sizilien | © individualicious  Céfalu, Sizilien | © individualiciousCéfalu, Sizilien | © individualiciousCéfalu, Sizilien | © individualicious

Übernachten

San Vito lo Capo
B&B Acquaro Suites

Neues, gemütliches Bed&Breakfast in guter Lage. In der Nebensaison kann eine Straße weiter kostenlos geparkt werden. Die Unterkunft liegt im verkehrsberuhigten Bereich, nur wenige Gehminuten zum Strand, einem Supermarkt, Restaurants und Cafés.

Agrigento
Masseria Agnello

Im Hinterland von Realmonte gelegen, ein wahres Juwel. Großzügige, stilvolle Zimmer, die keinen Luxus vermissen lassen. Eine schöne Parkanlage samt Pool, reichhaltiges Frühstücksbuffet mit hausgemachten Kuchen und ein Restaurant für Hotelgäste auf hohem Niveau.

Noto
Masseria degli Ulivi

Eine gepflegte, schöne Anlage mit gemütlichen Zimmern im Val di Noto, samt Pool und Restaurant. Und doch: etwas Gemütlichkeit und Charme fehlt leider. Ein weiterer Kritikpunkt ist der groß beworbene Spa-Bereich mit drei Outdoor-Pools, für die jedoch eine Nutzungsgebühr zu bezahlen ist.

Etna
Cavanera Etnea

Schlafen im Weingut – und das auf hohem Niveau. Das Cavanera Etnea verfügt über eine kleine Anzahl an hochwertig eingerichteten Zimmern, einen Pool inmitten der Weinberge mit Blick auf den Etna und eine Weinbar mit Verkostungen der Weine aus eigenem Anbau. Definitiv eine Unterkunft zum Wohlfühlen und Weiterempfehlen.

Céfalu
Balcone sul Mare

Ein klassisches Apartment in einem Ferienort. Praktisch und dennoch gut eingerichtet. Das Besondere: der kleine Balon direkt am Strand, mit Blick über die Küste und aufs offene Meer. Mit Wellenrauschen Einschlafen und Aufwachen. Und wer vor die Tür tritt, steht direkt in der Altstadt der hübschen Kleinstadt Céfalu.

Gut zu wissen

Sizilien im Oktober? Ja. Zwar sind an den beliebtesten Sehenswürdigkeiten immer noch einige Touristen unterwegs, doch die Massen halten sich absolut in Grenzen, so dass man die Städte, Ausflugsziele und Strände größtenteils in aller Ruhe besichtigen kann. Viele Hotels, Restaurants und Co haben immer noch geöffnet, Einschränkungen waren keine zu Beobachten. Die Temperaturen waren mit täglich mindestens 25°, teilweise sogar 30°, ideal zum Sightseeing als auch Baden.

Gefährlich? Nein. Sizilien nicht mehr oder weniger gefährlich als andere Urlaubsziele im Süden, ein Image mit dem die Insel wohl immer noch ein klein wenig zu kämpfen hat. Wer die allgemeinen Tipps berücksichtigt und keine Wertgegenstände offen im Auto liegen lässt und auf seine Taschen in Städten gut aufpasst, wird sich aber genauso sicher fühlen wie an der Adria.

Sehenswert? So ziemlich jede Ecke der Insel. Und hier liegt wohl die größte Herausforderung in der Planung. Sizilien ist groß, weit größer und weitläufiger als andere Mittelmeerinseln. Die Distanzen sollten also nicht unterschätzt werden. Zehn Tage für eine komplette Rundreise über die Insel waren zwar gut machbar, aber dennoch knackig. Wer weniger Zeit zur Verfügung hat, sollte sich vielleicht besser auf gewisse Regionen einschränken.

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