Hübsche Ortschaften direkt am See, sanfte Berge und Erhebungen ringsum, gewohnt gute, italienische Küche und das allseits präsente Dolce Vita-Feeling – der Comer See im Norden Italiens weiß seine (landschaftlichen) Reize gekonnt in Szene zu setzen. Selbst wenn es in den Alpen bereits Herbst wird, darf man sich hier noch an sommerlichen Temperaturen erfreuen und laue Abende am Wasser verbringen.

Bei einem spätsommerlichen Wochenende am Comer See genießen wir vier Tage lang das süße Nichtstun, leben in den Tag hinein und entdecken dennoch viele empfehlenswerte Orte und Möglichkeiten, um in die Natur und Kultur rund um den See einzutauchen.

Der Comer See, in die Ausläufer der Alpen eingebettet, gilt als gehobenes Urlaubsziel in der italienischen Region Lombardei. Bezeichnend sind die kleinen, bunten Ortschaften rund um den See, welche aus der umliegenden Berg- und Hügellandschaft hervorragen. Kein Wunder, dass selbst Stars wie George Clooney die Landschaft so reizvoll finden, dass sie hier ein Feriendomizil besitzen. Doch auch abseits von Glanz und Glamour hat der Comer See für einen Urlaubsaufenthalt so einiges zu bieten.

Unser erster richtiger Stopp am Comer See führt uns in den kleinen Ort Gravedona ed Uniti im Nordwesten. Der Ort punktet mit einer langgezogenen Uferpromenade, der malerisch gelegenen Chiesa di Santa Maria del Tiglio und einladenden Cafés direkt am See. Keine große Überraschung also, dass wir uns nur kurze Zeit nach Ankunft bei einem Aperol Sprizz und Prosecco an einem der Tische wiederfinden.

Das nur wenige Kilometer weiter südlich gelegene Menaggio präsentiert sich kurz darauf als eine jener Ortschaften, welche man beim Gedanken an den Comer See vor Augen hat. Eine Palmen-gesäumte Promenade, bunte Häuserfassaden und dahinter die umliegenden Berge. Weitaus touristischer als im Norden ist es hier bereits, eine Eigenheit, die so gut wie alle Orte mit Fähranschluss aufweisen.

Wir können nicht widerstehen und probieren nach einem gemütlichen Spaziergang durch den Orstkern ein Eis in der Fattoria del Gelato. Eine gute Wahl, denn das Eis hat definitiv Bestnoten verdient.

Als wir Menaggio hinter uns lassen und die Fahrt fortsetzen, verstärkt sich unser Bild nur noch mehr, dass am Comer See alle paar Kilometer ein kleines Dorf zu einem Spaziergang verführt. Bunte Häuserfassaden, verwinkelte Gasse und prachtvolle Uferpromenaden erwecken einen einladenden Eindruck.

Wir setzen jedoch unsere Fahrt in südliche Richtung fort und stoppen nur wenige Autominuten später in Tremezzo. Hier haben wir für die kommenden Tage unsere Unterkunft gebucht. Eine kleine Pension, gerade mal zwei Zimmer. Mit einer einfachen, aber gemütlichen Ausstattung, zugehörigem Restaurant (absolute Empfehlung!) und vor allem: einem direkten Seeblick von unserem Zimmer aus.

Es sind nur wenige Schritte, welche wir die enge Gasse bis zur Hauptstraße folgen müssen, um direkt am See zu stehen. In beide Richtungen liegen ausreichend Restaurants und Bars, um das Auto getrost stehen zu lassen. Abends genießen wir im idyllischen Hinterhof einen unerwartet guten Fisch und machen es uns auf unserem improvisierten Balkon mit einer Falsche Wein gemütlich. Seeblick und leichter Wellengang inklusive.

Am nächsten Morgen versorgen wir uns in der nahegelegenen Bar zunächst mit Caffè und Cornetto, bevor wir in den Tag starten. Und stellen fest, dass in den Orten am Comer See eine auffallend hohe Dichte an Grand Hotels zu finden ist. So befindet sich etwa direkt neben unserer Unterkunft das Grand Hotel Tremezzo, ein prachtvoller und imposanter Bau, welchem man bereits von Weitem ansieht, dass eine Nacht hier nicht gerade ein Schnäppchen ist.

Wir steuern die nächste Fähranlegestelle an – denn wir wollen eine Überfahrt nach Bellagio machen. Einem malerischen Ort, wie er im Buche steht. Bellagio liegt direkt an der Spitze des Larian-Dreiecks, jenem Gebiet zwischen den beiden Seearmen des südlichen Comer Sees.

Bellagio ist einer der touristischsten Orte am Comer See. Kein Wunder, denn zum einen kann das Ortsbild sich sehen lassen, zum anderen legen regelmäßig Fähren aus allen Richtungen an. Es ist ein reges Treiben, welches uns am Anlegeplatz erwartet. Ungeduldige Passagiere, die aufs Schiff möchten, gepaart mit mehreren Autoreihen, die den mühevollen Weg der Uferstraße entlang gehörig abkürzen möchten. Doch ein Spaziergang durch Bellagio lohnt sich. Bunte Häuserfassaden durchziehen den Ortskern, Villen erstrecken sich über die hügelige Landschaft, zahlreiche Cafés und Restaurants reihen sich entlang der Promenade aneinander. Und auch das Shoppingangebot lässt hier kaum zu wünschen übrig. Es lässt sich ohne weiteres die Zeit vertreiben, sei es beim Schaufensterbummel durch die engen Gassen oder in einem Café mit einem Caffè oder Aperol Sprizz. Einzig die Preise lassen einen hier nicht ewig die Zeit auf einer der zahlreichen Sonnenterrassen vertrödeln, mit € 2.50 schlägt ein Espresso teuer zu Buche.

Den Nachmittag lassen wir zurück in Tremezzo am See ausklingen. Schlendern die Uferpromade entlang, beobachten junge Einheimische beim Baden und landen schlussendlich bei einem Aperitivo, natürlich mit Seeblick.

Am nächsten Tag machen wir uns schon früh auf den Weg in Richtung Como. Noch bevor wir die größte Stadt am See besichtigen, möchten wir zunächst mit der Standseilbahn hoch nach Brunate (Berg- & Talfahrt: € 5,50,- pro Person, alle 10 min), um von dort eine kleine Wanderung zu unternehmen.

An der Bergstation angekommen, machen wir uns auf direktem Weg auf zum Faro Voltiano, dem Leuchtturm. Mit knapp dreißig Minuten ist der Weg veranschlagt, angesichts der Steigung und Temperatur brauchen wir auch knapp so lange. Oben angekommen, eröffnet sich uns ein Ausblick über den südwestlichen Seearm. Die Besichtigung des Leuchtturms gegen geringe Gebühr sparen wir uns, denn leider ist die Luft viel zu diesig, um einen ordentlichen Weitblick zu erlauben.

Wir setzen unseren Weg fort, ohne groß ein Ziel vor Augen zu haben. Die Wanderwege und Etappenziele sind regelmäßig ausgeschildert, so dass wir uns immer eins nach dem anderen vornehmen, um zu entscheiden wohin wir überhaupt wandern. Als nach einer knappen Stunde zum ersten Mal der Monte Boletto mit weiteren dreißig Minuten Gehzeit angeschrieben steht, ist unser Tagesziel jedoch schnell fixiert.

Zum Glück, denn als wir kurz vorm Gipfel die Baita Boletto, ein kleines Berggasthaus, passieren, treffen wir auf eine kleine Eselherde, die unbeirrt und völlig desinteressiert um das Gebäude herum grast. Als wir den letzten, kurzen aber steilen, Anstieg zum Gipfel hinter uns haben, hätten wir eigentlich ein tolles 360°-Panorama über den Comer See und die umliegende Landschaft. Eigentlich. Denn erneut macht uns das diesige Wetter einen Strich durch die Rechnung, so dass wir zwar Teile des Comer Sees sehen, in die entgegengesetzte Richtung jedoch kaum etwas zu erkennen ist. Schade, dennoch ist die einfach zu absolvierende Wanderung eine Empfehlung wert.

In einer guten Stunde sind wir zurück am Ausgangspunkt unserer Wanderung, der Bergstation in Brunate. Dicht gedrängt mit anderen Touristen lassen wir uns mit der Bahn gemütlich nach unten bringen und sparen uns so 493 Höhenmeter.

Zurück am Auto wechseln wir kurz unsere Schuhe und Kleidung, um dann die Altstadt von Como zu erkunden. Mit knapp 85.000 Einwohnern ist Como überschaubar und wohl vorrangig aufgrund der Lage am See attraktiv. Denn auch wenn es nett ist, durch die Altstadt zu spazieren und entlang der Einkaufsstraße zu bummeln, allzu viel hat Como bei einem kurzen Besuch nicht zu bieten. Am eindrucksvollsten ist die Cattedrale di Santa Maria Assunta, auch Duomo di Como genannt. Wir beenden unseren Ausflug mit einem Mittagessen entlang der Uferpromenade und stellen bei einem einfachen (aber sehr guten) Muschel- und Fischgericht einmal mehr fest, dass die Preise am Comer See spürbar über dem sonstigen Italien-Schnitt liegen.

Am letzten Tag unseres spätsommerlichen Kurztrips an den Comer See stehen wir vor der Qual der Wahl – fahren wir auf gleichem Weg wie bei Anreise über das Westufer zurück, nehmen wir die lange Variante und fahren auf dem Landweg einmal das Südüfer entlang oder kürzen wir mittels Fähre ab, um ans Ostufer zu gelangen. Schlussendlich entscheiden wir uns für die letzte Variante und steuern dafür die Fähranlegestelle in Menaggio an. Denn hier ist die Überfahrt nach Varenna inklusive PKW möglich. € 15,50 bezahlen wir für ein Auto und zwei Personen. Knapp zwanzig Minuten später lenken wir unser Auto dann auf der gegenüberliegenden Seeseite vom Schiff.

Schon die Anfahrt auf Varenna präsentiert sich so, wie man sich den Comer See vorstellt. Ein kleines Dorf mit bunten Häusern, welche eng aneinandergebaut zwischen See und Berg liegen. Da wir direkt an der Anlegestelle einen Parkplatz ergattern und ohnehin noch planen wollen, welche Stopps wir auf unserer Heimreise einlegen, entscheiden wir uns zu einem morgendlichen Spaziergang durch den kleinen Ort.

Dabei entpuppt sich Varenna als der malerischste und bislang schönste Ort während unseres Aufenthalts am Comer See. Über eine kleine Promenade führt uns der Weg von der Anlegestelle inmitten des Ortskerns. Ein Café reiht sich an das nächste, zum ersten Mal stellt sich bei mir ein leichtes Meeresgefühl ein. Kleine Boote und Segelschiffe ankern direkt vor der Promenade, Touristen bummeln entspannt und sichtlich angetan an uns vorbei. Wir folgen der Gasse weiter in den Süden und spazieren über den zentralen Dorfplatz zurück zum Ufer, wo wir uns in direkter Seelage einen weiteren Caffè gönnen.

Nur wenige Kilometer weiter nördlich stoppen wir an der Orrido di Bellano, einer Klamm im gleichnamigen Ort, welche aufgrund eines umgestürzten Baumes nur in sehr verkürzter Variante begehbar ist.

In Dervio legen wir unseren letzten Halt am See ein, um uns bei Pizza und anschließendem Caffè vom Comer See zu verabschieden. Über das Schweizer Engadin führt uns unser Route schlussendlich zurück in die Berge.

Was der Gardasee für Aktive und Familien ist, ist der Comer See für Genießer und Reiche – so zumindest der Eindruck, welchen wir bei einem verlängerten Wochenende Mitte September gewinnen. Denn auch wenn das Natur- und Sportangebot mit jenem des Gardasees durchaus mithalten zu können scheint, dürfte hier der Sport nur eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr steht am Comer See das dolce vita im Fokus, „sehen und gesehen werden“ lautet die Devise. Ein Faktor, der sich auch in den leicht gehobenen Preis wiederspiegelt. Dennoch ist der Comer See eine Empfehlung, zugleich auch eine neuerliche Reise in baldiger Zukunft, absolut wert.

ANREISE || Von Innsbruck aus führt die Route an den Comer See einmal quer durch das Schweizerische Engadin und in rund 4 Autostunden bis ans Nordufer. Alternativ ist die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr über Mailand möglich.

ÜBERNACHTUNG || In Ufernähe liegt das Casa Aquadulza, ein kleines Bed & Breakfast im Ort Tremezzo. Gerade mal zwei Zimmer beherbergt die Pension mit zugehörigem Restaurant, eines davon mit direktem Seeblick. Einfache, aber gemütliche Ausstattung im Vintage-Stil.

ESSEN & TRINKEN || Zwar sind die Preise am Comer See im Vergleich zum sonstigen Italien-Durchschnitt etwas erhöht, die Qualität jedoch stimmt. Fisch, Pizza und Pasta in gewohnt guter Manier, beispielsweise im Ristorante Ca de Matt in Gravedona ed Uniti oder im Casa Aquadulza in Tremezzo.

REISEFÜHRER || Lago Maggiore, Lugarner & Comer See, Polyglott on tour, mit kostenlosem Navi E-Book, 160 Seiten {Werbung – Rezensionsexemplar}

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