Zallinger
Saltria 74
39040 Seiser Alm
Italien

www.zallinger.com


In absoluter Ruhelage mit tollem Panorama liegt das Zallinger am Fuße des Plattkofel auf der Seiser Alm. Das traditionsreiche Berghotel mit modernen Almchalets ist autofrei. Und das ist gut so. Geparkt wird in Saltria, mit dem Almtaxi geht es im Anschluss noch rund 20 Minuten auf 2.054 Meter.


Die Zufahrt zur Seiser Alm ist zwischen 9 und 17 Uhr reglementiert und für den privaten Verkehr nicht gestattet. Ausnahmen gibt es nur für Übernachtungsgäste. Einfach am Info-Point kurz nach Kastelruth die Buchungsbestätigung vorweisen, schon erhält man eine Fahr- und Parkgenehmigung.


12 Gästezimmer im Stammhaus und 24 Almzimmer aufgeteilt auf sechs Chalets bietet das Zallinger. Ab € 110,- pro Person sind für eine Übernachtung zu bezahlen, Halbpension mit mehrgängigem Menü und einem – für ein Berghotel – mehr als ausreichendem Wellnessbereich inklusive.


Eine kleine Panoramafahrt für sich ist sie, die Anreise ins Zallinger. Denn wer erstmal die etlichen Spitzkehren vom Eisacktal bis hoch zur Seiser Alm hinter sich gelassen und sein Auto am Parkplatz in Saltria abgestellt hat, hat nicht nur einen ersten Vorgeschmack davon erhalten, was die berühmte Südtiroler Hochalm landschaftlich zu bieten hat. Nein, es wartet auch noch die Auffahrt mit dem Almtaxi hoch auf 2.054 Meter. Um anzukommen, oben im Zallinger. Dort, wo „die Welt noch in Ordnung ist“ …

Als wir die letzte Kehre erreichen und sich vor uns der Blick auf das Zallinger ausbreitet, bin ich voller Vorfreude auf unser verlängertes Wochenende auf der Seiser Alm. Was zum einen daran liegt, dass ich noch nie auf der Seiser Alm gewesen bin, und wir zum anderen ein ganz besonderes Hotel für unseren Kurztrip ausgewählt haben.

Das Zallinger blickt bereits auf eine 160-jährige Geschichte zurück. Anfangs unter dem Namen „Sassegg“ geführt, ist die Alm ab den 1850er Jahren als die Zallinger Alm bekannt und heute in dritter bzw. vierter Generation von Wirtin Luisa und Wirt Markus geführt.

Erst seit knapp zwei Jahren besteht das Zallinger in seiner jetzigen Form – denn die sechs Almchalets mit insgesamt 24 Almzimmern wurden 2017 geplant und errichtet. Zeitgleich erfuhr auch das Haupthaus eine umfassende Renovierung, die zwölf Gästezimmer sind geblieben. Die Panoramasauna und der modernisierte Bar- und Restaurantbereich sind ebenso hinzugekommen.

Wir beziehen die „303“, ein Almzimmer mit direktem Blick auf die kleine Alm-Kirche und die dahinterliegenden Berge. Natürliche Materialien dominieren die Einrichtung – viel Lärchenholz, Lodenstoffe und natürliche Farben kommen zum Einsatz. Die offene Konstruktion des Badezimmers und die vollverglaste Fensterfront sorgen für ein großzügiges Raumgefühl. Trotz der modern-gemütlichen Einrichtung und jeglichem Komfort: Die Aufmerksamkeit richtet sich bei Betreten des Zimmers sofort auf die Sicht ins Freie. Denn die Besonderheit der Almzimmer ist zweifelsohne die eigene kleine Terrasse, mit gemütlichem Sitzsack. Keine große Überraschung, dass dies über die kommenden Tage mein Lieblingsplatz im Zallinger werden soll.

Nachdem wir unser Gepäck verstaut und das Zimmer ausführlich begutachtet haben, starten wir zu einem kleinen Abendspaziergang. Vorbei an den weiteren Almchalets folgen wir dem kurzen Wanderweg hoch zur Williamshütte auf 2.100m, die einen Blick hinab zum Zallinger und bis weit über die Seiser Alm und die dahinterliegenden Berge freigibt.

Zurück auf der Alm, machen wir es uns im Inneren des Stammhauses gemütlich, zu kalt pfeift der Wind auf der Terrasse. Die 2017 ebenfalls neu gestaltete Bar-Lounge steht in puncto Stil und Ambiente so manch urbaner Bar jedenfalls um nichts nach und so stoßen wir mit einem Sprizz auf das bevorstehende Wochenende an.

Wenn die Glocken läuten…

Pünktlich um 19 Uhr läuten die Glocken der kleinen Bergkapelle zum Abendessen – so zumindest verspricht es die Website und auch die Hotelinformation am Zimmer. Schade, denn während unseres Aufenthaltes konnte ich mich davon nicht überzeugen – entweder weil ich die Glocken schlichtweg überhört habe oder sie nicht (mehr) läuten. Doch auch ohne „Glockenspiel“ finden sich die Gäste des Hauses zeitgleich im Restaurant ein; gemeinsames Abendessen lautet die Devise der Gastgeber.

Was auf die Teller kommt, lässt sich am besten als Tirolerisch-Italienische Küche auf durchwegs hohem Niveau beschreiben. Nach Antipasti und Salatbuffet zu Beginn werden die weiteren drei Gänge an den Tisch serviert. Und die können sich nicht nur sehen lassen, sie schmecken auch an jedem einzelnen Tag wirklich großartig.

Regionalität wird ebenso beim Frühstück groß geschrieben und so finden sich am reichhaltigen Buffet Produkte aus der Gegend. Das Besondere: der erneute Mix aus Tirolerisch und Italienischem Frühstück, so dass neben Speck und Käse aus Südtirol auch das klassische italienische Cornetto zu finden ist. Mit der zweiten Tasse Kaffee in der Hand, setzen wir uns in den kommenden Tagen gerne auf die Terrasse und genießen neben den ersten Sonnenstrahlen vor allem die morgendliche Ruhe auf der Alm.

Ein Hoch auf die Ruhe

Àpropos Ruhe – ein für mich wesentlicher Aspekt, weshalb ein Wochenende hier oben so herrlich entspannend ist. Fernab des Trubels im Tal und in Compatsch, dem „Tor“ zur Seiser Alm, sind es vor allem die Morgen- und Abendstunden auf 2.054m, die im Zallinger so besonders sind. Morgens, wenn die Sonne langsam über die Bergspitzen kommt und die Alm so langsam zum Leben erwacht, mit einem Kaffee auf der Sonnenterrasse vor dem Stammhaus oder gemütlich im Sitzsack auf der eigenen Terrasse. Meist nicht vor 10 Uhr strampelt der erste Mountainbiker vorbei und erst wenn die Hausgäste nach und nach zu einer Tagestour aufbrechen, füllt sich die Terrasse mit weiteren Wanderern und Bikern.

In den frühen Morgen- und späten Abendstunden ist das Plätschern des Brunnens, das Zwitschern der Vögel und das entfernte Gebimmel von Kuhglocken das Einzige, was zu hören ist.

Spätnachmittags dann, wenn man müde aber zufrieden vom Berg zurückkehrt und sich in der Panoramasauna entspannt, treten langsam auch die letzten Tagesgäste den Rückweg an, so dass Ruhe im Zallinger einkehrt. Nur noch die Übernachtungsgäste spazieren ums Haus, genießen die letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse oder stoßen mit einem Bier oder Wein auf den Tag an.

Raus ins Abenteuerland

Auch wenn es verlockend erscheint, den ganzen Tag im und um das Zallinger zu verbringen und einfach nur zu genießen und zu entspannen, die ein oder andere sportliche Erkundungstour sollte man sich dennoch nicht entgehen lassen.

Da wäre zum einen die kurze, aber durchwegs fordernde Wanderung hoch zur Plattkofelhütte. Die Steigung über die rund 250 Höhenmeter hat es abschnittsweise in sich, doch oben angekommen eröffnet sich ein toller Ausblick über die Seiser Alm und die Dolomiten. Hinab führt der Weg mit einem Schwenk über die Murmeltierwiese zur Murmeltierhütte. Und nicht umsonst trägt sie diesen Namen, ist die Wahrscheinlichkeit Murmeltieren beim Toben und Spielen zuzusehen ziemlich hoch.

Nicht zu unterschätzen sind zuweilen auch die Anstiege bei Touren mit dem Mountainbike, immer wieder fordern Wege mit über 20% bis 25% Steigung die Waden. Doch die Anstrengung lohnt sich, warten bei der Panoramatour um die Seiser Alm doch großartige Aussichten und Bergmassive mit idyllisch gelegenen Hütten. Ein besonders uriger Einkehrtipp ist etwa die Edelweißhütte, mit kleinem Speicherteich und einer Vielzahl an hausgemachten Säften.

Bei der Tour zum Puflatsch hingegen gibt die Aussichtsplattform an der Bergstation nach einem schweißtreibenden Anstieg nochmals eine neue Perspektive auf die Seiser Alm frei, vom Gipfelkreuz selbst blickt man bis ins Grödnertal. Die anschließende Belohnung wartet beispielsweise in der nahegelegenen Tschötsch Alm oder am Rückweg kurz vor Saltria in der Rauchhütte mit Blick auf den charakteristischen Langkofel und Plattkofel.

Empfehlenswert ist zudem auch der Kaiserschmarren im Zallinger selbst, nicht umsonst wird bereits auf den Servietten darauf hingewiesen. Immerhin, wer seine Energiereserven so gut einteilt, um es bis zurück zum Zallinger zu schaffen, erspart sich nach der Stärkung den letzten fordernden Anstieg von Saltria hoch und kann direkt zum Entspannen und Wellnessen übergehen.

„Da wo die Welt noch in Ordnung ist“

Ja, es mag was dran sein an dieser Aussage. Denn auf 2.054m braucht es jedenfalls nicht viel, um zufrieden zu sein. Kein Fernseher, kein Netz und WLAN gerade mal an der Bar im Stammhaus. Dafür jede Menge Ruhe, viel Gastlichkeit und eine Bergkulisse, an der man sich lange nicht satt sieht.

Zumindest nicht an einem verlängerten Wochenende. Und so kann es gut und gerne sein, dass wir dem Zallinger schon bald wieder einen Besuch abstatten. Vielleicht ja im Winter, um dieses Mal mit dem Schneefahrzeug in ein erholsames Wochenende zu starten…

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