Am Genfersee, umgeben von den Weinbergen des Lavaux und der Kulisse der Alpen liegt die Montreux Riviera mit den Städten Montreux und Vevey im Kanton Waadt. Bekannt ist die Region neben dem Wein vor allem für das jährlich stattfindende Montreux Jazz Festival. Zeitpunkt der Reise: Mai 2015.

Knapp sechs Stunden dauert die Zugfahrt ab Innsbruck, via Genf ist Montreux auch mittels Flug in kurzer Zeit zu erreichen.

Hôtel Tralala
Rue du Temple 2
1820 Montreux, Schweiz
www.tralalahotel.ch

Ich sitze schon knapp fünf Stunden im Zug, als ich plötzlich wie gebannt aus dem Fenster starre. Vor oder besser gesagt unter mir liegt der Genfersee, umgeben von den beeindruckenden Weinterrassen des Lavaux. Bis zu meiner Ankunft in Lausanne kann es sich also nur noch um Minuten handeln. Dort angekommen, wechsle ich noch einmal das Bahngleis und steige zwanzig Minuten später in Montreux aus. Das Wetter meint es gut mit mir, die frühlingshafte Sonne und die Palmen am Bahnsteig versetzen mich zugleich in südländisches Ambiente. Und doch bin ich hier noch in der Schweiz, mitten in den Alpen. Doch auch das französische Stimmgewirr und die Lautsprecherdurchsagen auf Französisch lassen mich ein klein wenig wie in Frankreich fühlen.

Ich bahne mir meinen Weg über holpriges Kopfsteinpflaster hinauf in die Vieille Ville, die Altstadt von Montreux, um im Musik- und Designhotel Tralala meinen Koffer abzustellen. Doch für eine kurze Verschnaufpause ist keine Zeit, denn auf mich wartet eine Schifffahrt zu einer der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Schweiz: das Schloss Chillon. Vom Anlegeplatz in Montreux sind es keine zehn Minuten, die sich aber definitiv lohnen. Denn das Schloss Chillon zeigt sich derzeit vom Wasser aus von seiner fotogensten Seite – was daran liegt, dass der Eingangsbereich eingerüstet und weniger schmuck anzusehen ist. Das Schloss Chillon zählt jährlich rund 350.000 Besucher und ist gewiss eines der faszinierendsten Schlösser Europas. Nicht zuletzt aufgrund der Lage, denn das Schloss liegt direkt am Ufer des Genfersees am Fuße der Alpen. Es wurde im 12. Jahrhundert erbaut und erfüllte seinerzeit zweierlei Zwecke: zum See hin war es eine Residenz, zum Land hin eine Festung, welche die Straße beschützte. Wer das Schloss Chillon besucht, sollte etwas Zeit mitbringen, denn von den unterirdischen Keller und Lagerräumen bis hin zu den Schlosshöfen und Sälen sowie den Ausblicken von den Türmen und dem obersten Stock des Bergfried kann allerhand besichtigt werden.

Schloss Chillon | individualicious
Schloss Chillon | individualicious  Schloss Chillon | individualicious

Um zurück nach Montreux zu kommen, entscheide ich mich für einen Spaziergang entlang der Seepromande. Diese offenbart nochmals einen tollen Blick zurück auf das Schloss Chillon sowie vorausschauend auf die prachtvollen Bauten am Ufer von Montreux. Montreux wird aufgrund des milden Klimas gerne als Hauptstadt der Waadtländer Riviera bezeichnet. Pinien, Zypressen und Palmen, die ansonsten eher am Mittelmeer zu finden sind, verleihen der Stadt einen südländischen Flair. Schuld am milden Klima sind die „drei Sonnen“ von Montreux – das sind einerseits natürlich die richtige Sonne, aber auch die vom See reflektierte und die von den Steinmauern gespeicherte Sonne. Eine knappe dreiviertel Stunde dauert der Spaziergang von Schloss Chillon zurück nach Montreux. Dort angekommen, gönne ich mir im Hotel Tralala erstmal eine kurze Pause und genieße von Zimmer 405 den Ausblick über die Stadt.

Am nächsten Tag steht frisch gestärkt ein morgendlicher Stadtbummel auf dem Programm. Wir flanieren durch die Gassen der Vielle Ville, die durch Kopfsteinpflaster, kleine Läden und Cafés sowie tolle Ausblicke auf die Unterstadt und den See geprägt ist. Vermutlich lassen viele Touristen die Altstadt bei einem Besuch von Montreux einfach aus und konzentrieren sich auf die am See gelegene Unterstadt, doch die zehn Minuten Fußweg sollte man auf sich nehmen. Von der Vielle Ville geht es anschließend bergab in Richtung Seepromenade. Sie gilt heute als eine der Hauptattraktionen der Stadt mit Hotelpalästen, dem Casino und Kongresszentrum. Die Gebäude aus der „Belle Epoque“, das mediterrane Flair und die platzbedingte Bauweise sorgen dafür, dass mich Montreux stark an Monaco erinnert.

„We all came out to Montreux
On the Lake Geneva shoreline
To make records with a mobile
We didn’t have much time
Frank Zappa and the Mothers
Were at the best place around
But some stupid with a flare gun
Burned the place to the ground
Smoke on the water, fire in the sky“

Neben dem mediterranen Flair ist Montreux jedoch vor allem durch eines geprägt: die Musik. Habt ihr etwa gewusst, dass Deep Purple’s „Smoke on the water“ am Genfersee entstanden ist? Ich auch nicht. Tatsächlich war es aber so, dass die Band 1971 in Montreux war, um ihr neues Album aufzunehmen als im Casino von Montreux ein Feuer ausbrach. Der Titel des Songs bezieht sich auf den Rauch, der sich über dem See ausbreitete und den Deep Purple vom Hotel aus beobachten konnte. Wieder was gelernt. Und auch sonst ist Montreux stark von internationalen Künstlern und Musikern geprägt. Freddie Mercury etwa hatte in Montreux ein Aufnahmestudio, Charlie Chaplin wiederum ließ sich in den 50er-Jahren nahe Vevey nieder. Beiden gebührt heute eine Bronzestatue an der Seepromenade in Montreux bzw. Vevey. Und Audrey Hepburn und Coco Chanel sind nur zwei weitere Berühmtheiten mit enger Beziehung zur Montreux Riviera. Und nicht zuletzt gibt es da noch das legendäre Montreux Jazz Festival, das Ende der 1960er gegründet wurde und heute eines der renommiertesten Festivals der Welt ist. Im Montreux Jazz Café lässt sich etwa das ganze Jahr über Festival-Atmosphäre schnuppern und die Lieblingsgerichte von Festival-Gründer Claude Nobs genießen.

Montreux | individualiciousMontreux | © individualiciousMontreux | © individualicious

Aber nicht nur Montreux, auch die umliegenden Berge, die Stadt Vevey und die Weinterrassen von Lavaux sind bei einem Aufenthalt an der Montreux Riviera definitiv einen Besuch wert. Doch dazu bald mehr…

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