Azoren: Naturerlebnis pur auf Flores

Als eine der ursprünglichsten präsentiert sich die am westlichst gelegene Azoren-Insel Flores. Natur pur und das soweit das Auge reicht, durchzogen von ein paar kleinen Dörfern, die von Einfachheit und Ländlichkeit geprägt sind. Und auch wenn ein drei- bis viertägiger Aufenthalt völlig ausreicht, um so ziemlich jede Straße auf Flores einmal abgefahren zu sein, ist ein Aufenthalt bei einem Inselhopping auf den Azoren durchaus empfehlenswert.

Wir landen zur Mittagszeit in der Inselauptstadt Santa Cruz des Flores und sind nach Abholung des Mietwagens in gerade mal drei Minuten in unserer Unterkunft. Wir haben Glück, der Regen hat gerade aufgehört und langsam verziehen sich auch die Wolken, so dass wir uns zunächst entschließen, den Nordosten der Insel mit dem Auto zu erkunden, bevor wir die nächsten Tage einige Kilometer zu Fuß absolvieren.

Zwar hat der Nordwesten der Insel keine allzu großen Sehenswürdigkeiten zu bieten, doch wir erlangen einen guten ersten Eindruck von der Ursprünglichkeit, die auf Flores immer noch vorherrscht. Nicht umsonst wird die Insel als eine der Naturjuwele bezeichnet, an der vor allem Naturliebhaber und Wanderer ihre Freude haben werden. Immer wieder bietet die Route in den Norden Ausblicke auf die schroffe Felsküste. Wir steuern den Leuchtturm nach Ponta Delgada an, verpassen jedoch den offiziellen Besuchstag. Nicht weiter schlimm, denn wir sind ohnehin hungrig und landen im Restaurante “O Pescador”, wo wir sehr guten Fisch serviert bekommen.

Am nächsten Tagen starten wir bei eisigem Wind und dichter Bewölkung zu unserem Tagesziel. Wir wollen zum Fajã de Lopo Vaz, einem Aussichtspunkt an der Südküste, von wo es hinab bis an einen schwarzen Sandstrand geht. Noch dick in Pullover und Windjacke eingepackt, wird uns – windgeschützt von den Felsen und im prallen Sonnenschein – schnell warm. Die Steintreppen sind nass und rutschig, die knapp 200 Höhenmeter sind teilweise durchaus steil und anstrengend. Doch die Mühe lohnt sich, warten unten angekommen ein menschenleerer Strand und fast sommerlich warme Temperaturen. Wir spazieren den Strand entlang und können schlussendlich nicht widerstehen ins Meer zu springen und uns abzukühlen. Nachdem wir den Aufstieg zurück zum Ausgangspunkt hinter uns gebracht haben, setzen wir unsere Fahrt in den Inselnorden fort und entscheiden uns ohne Navi im Hintergrund für jene Straßen, die uns landschaftlich am meisten ansprechen. Nur kurze Zeit später stehen wir am Rande des Kratersees Lagoa Funda. Eingebettet in eine üppig grüne Vegetation einer jener Anblicke, welche mir beim Gedanken an Flores am eindrucksvollsten in Erinnerung geblieben sind.

Da die Wege nicht weit sind und erst früher Nachmittag ist, setzen wir unsere Fahrt fort und steuern ein weiteres Naturschauspiel auf Flores an: die Poço Ribeira do Ferreiro. Ein beinahe paradiesisches Idyll, gut versteckt und in gerade mal 600 Meter Entfernung zur Straße. Hier münden mehr als zwanzig kleine und größere Wasserfälle in den Lagoa dos Patos, einem Naturtreiben, dem man endlos zuschauen könnte.

Wir wollen heute jedoch noch weiter nach Fajã Grande, einem kleinen Ort im Nordwesten Flores. Das Dorf ist einladend und charmant, die Häuserzeilen laden zu einem kurzweiligen Spaziergang ein und im Café am Picknickplatz genießt man den Ausblick auf die Brandung. Direkt vom Ort aus ist ein weiteres Highlight auf Flores fußläufig zu erreichen: der Wasserfall Poço do Bacalhau. Die Wassermassen werden hier regelmäßig vom starken Wind verblasen, so dass bizarre Wasserspiegelungen in der Luft entstehen. Ein eindrucksvolles Schauspiel, dem wir gut und gerne zwanzig Minuten oder länger zuschauen. Für den Heimweg entscheiden wir uns für den direkten Weg quer über die Insel. Denn wir wollen noch eine weitere Sehenswürdigkeit abklappern: die beiden Kraterseen Lagoa Negra und Lagoa Comprida, Teil der Vulkankrater der Sete Lagoas, die alle im Hochland von Flores liegen. Zwei Seen in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander, die aufgrund ihrer Tiefe jedoch in gänzlich unterschiedlichen Farben glänzen.

Zurück in Santa Cruz das Flores nutzen wir den späten Nachmittag für einen Abstecher zu den Naturschwimmbädern, bevor wir uns in der Unterkunft kurz entspannen und uns im Anschluss erneut Fisch zum Abendessen gönnen.

Für den zweiten Tag auf Flores haben wir uns ein sportlicheres Ziel gesetzt. Denn wir möchten die raue Westküste heute zu Fuß erkunden und auf knapp 11km vom kleinen Örtchen Lajedo im Südwesten der Insel nach Fajã Grande im Nordwesten wandern. Früh parken wir unser Auto am Kirchplatz und machen uns auf den Weg, stest dem gut beschilderten Wanderweg PR2FLO folgend. In einem gemütlichen Auf und Ab durchstreifen wir die Küste, sehen die Reste des verherrenden Hurricane der die Insel nur wenige Tage zuvor gestreift, doch glücklicherweise keine allzu großen Schäden in der Natur hinterlassen hat. Immer wieder eröffnen sich tolle Aussichtspunkte auf die Küste, vorbei an immensen Mengen an Ingwer-Sträuchern, vorbei an einem verlassenen Dorf, bis wir nach rund drei Stunden zufrieden in Fajã Grande ankommen. Im neuen, sympathischen Café Maresia stärken wir uns mit einem Espresso, während wir auf unser Taxi warten, welches uns für € 25,- zurück zum Ausgangspunkt bringt.

Für den letzten Tag auf Flores haben wir uns noch einen besonderen Ausflug vorgenommen: eine Bootstour auf Corvo (€ 35,- pro Person), die kleinste der Azoreninseln. Noch am Vortag haben wir beim Anbieter angefragt, ob die Tour stattfindet. Und da dieser zunächst das Wetter und den Wellengang checken muss, erhalten wir knapp eine Stunde vor der geplanten Abfahrt die finale Zusage. Wir haben Glück, denn andere Gäste am Boot harrten bereits seit zwei Tagen aus, bis sie endlich das Glück hatten und eine Tour angeboten wurde. Dass die knapp einstündige Überfahrt dermaßen abenteuerlich werden sollte, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Denn auf dem Boot haben gerade mal 15 Personen Platz, entsprechend klein und dem rauen Wellengang des Atlantik ausgesetzt ist das Boot. Doch unsere Guides sind erfahren, steuern uns zunächst solide an den Grotten und der Felsküste von Flores vorbei, bis wir auf das offene Meer kommen und den starken Wellengang so richtig zu spüren bekommen. Etwas mulmig ist mir in der ersten halben Stunde, bis ich etwas Vertrauen in unsere Guides gewinne und mich dem teils unsanften Aufsetzen nach einer größeren Welle hingebe. Nach gut einer Stunde ist die Fahrt geschafft und die Inselhauptstadt Vila do Corvo erreicht. Mit dem Taxi (€ 5,- pro Person) geht es im Anschluss direkt hinauf zum Vulkankrater. Der Caldeirão ist das Highlight der Insel Corvo und eine eindrucksvolle Naturlandschaft. Am Fuße des Vulkankraters erstreckt sich ein See, Kühe grasen ringsum unbeeindruckt vor sich hin. Wir saugen den Ausblick in uns auf, bevor wir im Anschluss die rund 500 Höhenmeter zu Fuß zurücklegen. Geprägt von der Viehzucht passieren wir bei unserer kurzen Wanderung viele Acker und Kuhweiden, sowie Steinhäuser die im Sinne der Landwirtschaft errichtet wurden. Das einzige Dorf der Insel, Vila do Corvo, zählt gerade mal 460 Einwohner und hat mit einer Schule, zwei Bed&Breakfasts, einem Flughafen und Co zumindest die wichtigste Infrastruktur direkt auf der Insel zentral vereint.

Wer Ruhe und Entspannung sucht und das in einer fast unberührten Naturkulisse, ist auf Flores richtig. Zwar hat die Insel keine endlose Vielzahl an Sehenswürdigkeiten, doch gerade für Wanderliebhaber und Erholungssuchende bietet Flores den idealen Mix an Wandertouren und kulinarischen Highlights.

Gut zu wissen

ANREISE || Flores ist die westlichste der Azoreninseln und mit SATA – Azores Airlines durch einen Zwischenstopp auf einer anderen Insel zu erreichen. Vor Ort ist ein Mietwagen fast unerlässlich, wer nicht gerade alles zu Fuß erwandern will. Zwar gibt es ein öffentliches Busnetz, diese verkehren jedoch nur selten und nicht immer zuverlässlich, am Wochenende sind die Busse erst gar nicht in Betrieb.

ÜBERNACHTUNG || Die Auswahl an Unterkünften auf Flores ist nicht sehr groß. Neben vielen kleinen, traditionellen Quintas gibt es in der Hauptstadt Santa Cruz das Flores noch zwei größere Hotelanlagen. Meine Empfehlung: Casas da Quinta.

ESSEN & TRINKEN || Ebenso wie die Hotels sind die Restaurants auf Flores einfach und ländlich geprägt. Auf den Teller kommt überwiegend fangfrischer Fisch, in der Inselhauptstadt ist die Auswahl an Möglichkeiten noch etwas vielfältiger. Empfehlung: Restaurante Sereia für fischen Frisch oder Lucinos Bar für Burger zur Abwechslung in Santa Cruz das Flores, Restaurante Maresina in Fajã Grande.

AKTIVITÄTEN || Flores verfügt über ein kleines, aber durchwegs gut beschildertes Netz an Wanderwegen, welche einfach über trails.visitazores.com, die offizielle Website des Tourismusbüros, abgerufen werden können. Auch Canyoning-Touren werden von verschiedenen Anbietern durchgeführt. Der Veranstalter Passeios Turísticos bietet Bootstouren nach Corvo an.

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