Ausgangspunkt: Við Lónið Guesthouse
Endpunkt: Sunnuhlíð Houses
Route: Seyðisfjörður – Dettifoss – Víti – Hverarönð – Hverfjall – Góðafoss
Dauer: 10 Stunden
Strecke: 377km

Knapp 300 Kilometer quer durch den Nordosten Islands. Auf direktem Weg eine reine Fahrtzeit von 3,5 Stunden. Wären da nur noch so viele sehenswerte Zwischenstopps, welche aus 3,5 Stunden schnell mal zehn machen. Und das alles in so geballtem Umkreis, dass die ersten zwei Stunden Fahrt schnell mal in einem Stück absolviert sind.

Hat man jedoch die Regionsgrenze zum Nordosten der Insel erstmal erreicht, wartet mit dem Dettifoss gleich einer der mächtigsten Wasserfälle der Insel. Aus dem Osten kommend, nehme ich die erste Abzweigung, die 864. Was ich nur wenige Kilometer weiter kurz bereue und mich frage, ob die 862 vielleicht doch die bessere Wahl gewesen wäre. Über Ruckelpisten, Schotterwege und Schlaglöcher ohne Ende bahne ich mir die rund 26km bis zum Parkplatz vor. Und komme zum Ergebnis, dass die 864 insofern nicht schlecht war, da sich hier zwar immer noch einige Autos den Weg bahnen, aber offensichtlich nicht so viele wie auf der 862, die am anderen Ufer endet. Der Blick jedenfalls ist spektakulär – mit 45 Metern Höhe auf einer Breite von rund 100 Metern ist der Dettifoss immerhin der leistungsstärkste Wasserfall Europas.

Dettifoss | © individualiciousDettifoss | © individualicious  Dettifoss | © individualiciousDettifoss | © individualiciousDettifoss | © individualiciousDettifoss | © individualiciousDettifoss | © individualicious

Zurück auf die Ringstraße geht es – richtig, wieder über die 864, denn es würde einen zu großen Umweg in den Norden bedeuten, um auf die 862 zu gelangen. Also ruckle ich erneut über die Gravel Road und gelange einige Zeit später wieder auf der Hauptstraße. Von dort ist es keine halbe Stunde bis in die Krafla-Region, ein Tipp, welchen ich am Vortag noch von Kathi und David erhalten hatte. Die Region ist ein rund 2.000 Jahre altes Vulkansystem auf einer Länge von rund 100km, der Víti-Krater selbst ist ein vulkanischer See von 320m Durchmesser und einer Tiefe von etwa 33m. Er entstand durch eine Eruption bei den Mývatn-Feuer im Jahr 1724. Es ist ein leichtes, den Víti zu besteigen und son von oben auf das tiefblau-schimmernde Wasser zu schauen. Generell ist die Umgebung hier oben äußerst spannend – einerseits landschaftlich, andererseits durch die geothermale Energie welche mittels zweier Geothermalkraftwerke seit einigen Jahren genutzt wird. Im Kröfluvirkjun-Kraftwerk am Zentralvulkan Kralfa gibt es ein Besucherzentrum, welches ich aus Zeitgründen jedoch auslasse.

Víti, Island | © individualiciousVíti, Island | © individualicious  Víti, Island | © individualiciousVíti, Island | © individualiciousVíti, Island | © individualicious

Auf dem Weg zurück zur Ringstraße kann ich mir einen kurzen Fotostopp an der „öffentlichen“ Dusche jedoch nicht nehmen lassen. Isländischer Humor eben…

Wieder auf der Ringstraße, zweigt die Straße keinen Kilometer weiter direkt zum nächsten und mitunter spannendsten Stopp des Tages ab – dem Hochtemperaturgebiet Hverarönð am Fuße des Námafjall. Schon von Weitem sind jene Stellen sichtbar, an denen Wasserdampf, Schwefel(-wasserstoff) und andere Mineralien aus der Erde austreten. Überall blubbert und brodelt es, die Rauchschwaden steigen meterhoch in die Luft und nehmen schon mal die direkte Sicht. Man muss sich zunächst etwas an den schwefeligen Geruch in diesem Gebiet gewöhnen, wird dann beim Spaziergang über das Gelände mit einem beeindruckenden Naturschauspiel belohnt. Eines jener, weshalb Island überhaupt erst diese Faszination bei vielen auslöst.

Hverarönð, Island | © individualiciousHverarönð, Island | © individualiciousHverarönð, Island | © individualicious  Hverarönð, Island | © individualiciousHverarönð, Island | © individualiciousHverarönð, Island | © individualiciousHverarönð, Island | © individualiciousHverarönð, Island | © individualicious  Hverarönð, Island | © individualiciousHverarönð, Island | © individualicious  Hverarönð, Island | © individualiciousHverarönð, Island | © individualiciousHverarönð, Island | © individualicious

Eine kleine Passstraße über den Námafjall führt auf die Westseite des Bergrücken, welcher auch gut ausgebaute Wanderwege bereit hält. Hier liegt ein weiteres Geothermalkraftwerk mit einem türkisfarbenen Überlaufsee, in welchem man früher noch baden konnte Heute ist das Wasser allerdings zu heiß, was das Badevergnügen unmöglich macht. Darauf verzichten muss man in der Mývatn-Gegend jedoch nicht, denn nur wenige Autominuten weiter liegt das Mývatn Nature Bath; die kleiner und günstigere Blue Lagoon im Norden Islands, wie es allgemein heißt. Davon überzeugen werde ich mich jedoch erst morgen.

Es wird Zeit für ein spätes Mittagessen und so kehre ich auf dem Weg um den Mývatn-See im Vogafjos Cowshed-Café ein. Ich hatte zuvor nur viel Gutes darüber gelesen. Allen voran, dass das Café an sich ein Erlebnis ist, sitzt man doch mit direktem Blick auf den Stall. Das Vogafjos scheint jedenfalls einen Namen zu haben, es ist selbst am frühen Nachmittag ziemlich voll, einen Besuch aber mehr als Wert und der Beef Burger sehr empfehlenswert.

Frisch gestärkt ist es bis zum nächsten Stopp nicht weit. Am östlichen Ufer des Mývatn-See überragt der Vulkankrater Hverfjall die Landschaft schon von Weitem. Der 160m hohe Tuffring kann über einen einfachen, abschnittsweise aber steilen Pfad leicht bestiegen und infolge gänzlich umwandert werden. Dazu braucht es aber etwas Zeit, denn mit einem Durchmesser von rund 1.000m ist man durchaus etwas länger am Weg. So oder so – es ist ein beeindruckendes Erlebnis oben zu stehen und in den Krater zu blicken, denn wie auch schon zuvor beim Hverarönð-Gebiet wird hier einmal mehr ersichtlich, welche Energie in der Erde steckt und zu welchen Ausbrüchen das Erdinnere in der Lage ist.

Hverfjall, Island | © individualiciousHverfjall, Island | © individualiciousHverfjall, Island | © individualiciousHverfjall, Island | © individualicious

Ich bin schon ziemlich müde, als ich wieder unten am Auto bin und da ich noch rund eine Stunde Fahrt vor mir habe, entscheide ich mich einige der weiteren Highlights entlang der Strecke erstmal auszulassen. Denn mit dem Lavafeld Dimmuborgir, dem Landschaftsbild rund um Höfði und den Pseudo-Kratern in Skútustaðir würde es noch so einiges Sehenswertes entlang des Ufers geben. Doch morgen ist bekanntlich auch noch ein Tag, an dem es nachmittags ohnehin nochmal in die Mývatn-Gegend gehen wird und so reicht es auf der Weiterfahrt zu meiner heutigen Unterkunft gerade noch für einen kurzen Stopp am Goðafoss, bevor ich schlussendlich in Sunnuhlíð bei Akureyri ankomme.

Godafoss | © individualicious

Leave A

Comment