Ausgangspunkt: Við Lónið Guesthouse
Endpunkt: Við Lónið Guesthouse
Route: Seyðisfjörður – Borgarfjörður – Seyðisfjörður
Dauer: 6 Stunden
Strecke: 185km

Mit zwei Nächsten in Seyðisfjörður als Ausgangsbasis hatte ich mehrere Optionen, um einen Tag ohne neues Etappenziel zu verbringen. Und so wusste ich nach dem Frühstück immer noch so recht, in welche Richtung ich fahren sollte. Schlussendlich entschied ich mich aber gegen die vielen Wasserfall-Optionen und für eine Fahrt über die Straße 94 nach Borgarfjörður Eystri. Der isländischen Volkskunde nach sollten hier besonders viele Elfen zuhause sein und auch sonst dürfte es sich um ein nettes Fischerdorf in den Ostfjorden handeln.

Ich war darauf vorbereitet, dass die Anfahrt etwas länger dauern würde, denn schon meine Gastgeberin wies mich darauf hin, dass es sich größtenteils um eine Gravel Road handeln würde, welche ab Egilsstaðir in den Nordosten führt. Dass ich dabei aber noch einen Bergpass nehmen musste, der ebenfalls eine Gravel Road war, war mir zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht bewusst. So gestaltete sich die Fahrt ziemlich lange und bedingt durch die vielen Schlaglöcher etwas mühsam, wollte ich mir doch nicht erneut eine Reifenpanne auf die Fahnen schreiben müssen. Generell erschließt sich mir in Island bislang das Prinzip nicht, welche Straßen weshalb abschnittsweise asphaltiert sind und welche nicht, denn so kann es mitunter passieren, dass auf einer 30 Kilometer langen Gravel Road mittendrin mal wieder ein bis zwei Kilometer asphaltiert sind. Wie auch immer, allein schon die Nr. 94 war den heutigen Ausflug wert, denn das Panorama welches der Pass bei gutem Wetter eröffnet, ist einfach großartig.

Borgarfjörður | © individualicious

In Borgarfjörður angekommen, erblicke ich zuerst das Haus Lindarbakki. Natürlich, es ist auch nicht zu übersehen. Lindarbakki ist deshalb so besonders, da es sich um ein altes Torfhaus handelt. Keine 30m² groß, bietet es mit einem Schlafzimmer, einer Wohnküche und einem Badezimmer alles, was man zum Wohnen benötigt. Lindarbakki wird in den Sommermonaten von Elísabet Sveinsdóttir bewohnt, die das Haus 1979 gemeinsam mit ihrem mittlerweile verstorbenen Ehemann gekauft hat. Ich habe Glück und treffe Elísabet gerade in ihrem Garten an. Es dauert keine fünf Minuten und ich werde eingeladen, mir ihr Häuschen von innen anzusehen. Gemütlich und warm ist es bei Elísabet, besonders bezaubernd ist die alte Küche. Als ich wieder zum Gehen ansetze, holt Elísabet plötzlich ein Gästebuch hervor, in welches ich mich eintragen darf. Natürlich – wie absurd auch der Gedanke, dass ich die erste Touristin bin, welche zu einem kurzen Besuch eingeladen wurde…

Lindarbakki | © individualiciousLindarbakki | © individualicious  Lindarbakki | © individualiciousLindarbakki | © individualiciousLindarbakki | © individualicious

Ich setze die Fahrt weitere fünf Kilometer fort, um an den Borgarfjarðarhöfn zu gelangen – der alte Hafen von Borgarfjörður. Angeblich zuhause von einer regelrechten Puffin-Kolonie. Ich war schlichtweg nicht darauf eingestellt, heute Puffins zu sehen, denn ich hatte zuvor keine Informationen über Puffins in Borgarfjörður gelesen. Doch bereits meine Gastgeberin meinte bei einem kurzen Gespräch am Morgen, dass in Borgarfjörður die Chancen gut stehen. Und tatsächlich, schon beim Abstellen des Autos am Parkplatz sehe ich von Weitem die ersten schwarz-weißen Flecken am Fels herausstechen. Über eine Holztreppe geht es den Felsen hinauf und ehe ich es mich versehe, sehe ich mich einer Vielzahl von putzig süßen Puffins (oder eben Papageientaucher) gegenüberstehen. Ich habe großes Glück, denn schon in wenigen Tagen werden die Puffins Island wieder in Richtung Atlantik verlassen. Doch von Anfang Mai bis Mitte August kommen jährlich über eine Millionen Papageientauer an die Vogelfelsen der isländischen Küste, um zu brüten. Ich kann mich weder sattsehen noch -fotografieren und sehe den „Lundis“ beim tapsigen Watscheln, lustigen Landeanflügen und Fischfang zu.

Puffins in Island | © individualiciousPuffins in Island | © individualiciousPuffins in Island | © individualicious  Puffins in Island | © individualiciousPuffins in Island | © individualiciousPuffins in Island | © individualiciousPuffins in Island | © individualiciousPuffins in Island | © individualicious  Puffins in Island | © individualiciousPuffins in Island | © individualiciousPuffins in Island | © individualicious

Nach einer gefühlten Ewigkeit kann ich mich dann doch von diese Anblick losreißen und fahre zurück in den Ort. Ich möchte noch auf den Álfaborg, dem Palast der Elfen. Denn hier, so sagt man, seien besonders viele Elfen zuhause – ja die Elfenkönigin würde hier sogar leben. So ganz mag es mit der Verbindung zu den Elfen zwar nicht klappen, aber der Ausblick vom rund 30m hohen Elfenberg kann sich dennoch sehen lassen.

Álfaborg | © individualiciousÁlfaborg | © individualicious  Álfaborg | © individualicious

Es ist schon später Nachmittag als ich also nach einem Abstecher im Alfacafé zu Kaffee und Fischsuppe die Rückfahrt nach Seyðisfjörður antrete. Erneut über den ruckeligen Pass samt vieler Schlaglöcher. Doch ich habe Glück, denn mittlerweile herrscht wieder strahlender Sonnenschein und der Pass gibt nochmals einen tollen Blick auf den Fjord frei. Und so lasse ich es mir nicht nehmen, nochmal den ein oder anderen Fotostopp sowie kurzen Abstecher zum Gufufoss kurz vor Ankunft in Seyðisfjörður einzulegen. Als dann selbst noch das Schaf vor dem Wasserfall für mich posiert, ist der Tagesausklang in jedem Fall gelungen…

Borgarfjörður | © individualiciousBorgarfjörður | © individualiciousBorgarfjörður | © individualicious  Borgarfjörður | © individualiciousBorgarfjörður | © individualiciousBorgarfjörður | © individualiciousGufufoss | © individualiciousGufufoss | © individualicious

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02/08/2016
Wie süß sind bitte das Haus (könnte auch von Elfen bewohnt werden) und die Puffins ... Mich faszinieren deine Berichte aus Island, weil ich das Land so liebe und weil man merkt, wieviel Zeit du dir nimmst, um das Land aus der Sicht der Einheimischen kennenzulernen und nicht nur als Touristin. Wirklich toll.
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    Mela
    02/08/2016
    Das mit den Elfen hab ich mir auch gedacht bei dem Haus, haha. Ja, die Puffins <3 Vielen lieben Dank für dein schönes Feedback, Sussy, freut mich sehr, dass man rausliest, wie viel Zeit ich mir für die Insel nehme und nicht einfach alles wie auf einer To do-Liste abklappere.
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02/08/2016
Das rote Häuschen sieht wirklich sehr hübsch und originell aus. So was sieht man auch nicht jeden Tag.
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    Mela
    02/08/2016
    Davon gibt es hier auf der Insel sogar ein paar.
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10/10/2016
Also nach Island muss ich auch irgendwann einmal. Und diese Papageientaucher sind ja sowas von süß:) LG, Monique
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    Mela
    28/10/2016
    Unbedingt! Wenn ich derzeit ein Reiseziel empfehle, dann ist es an allererster Stelle Island.
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