Ausgangspunkt: Hotel Hellnar
Endpunkt: Flughafen Keflavík
Route: Ytri-Tunga Beach – Bridge between Continents – Seltún Geothermal Area – Reykjanesbær – Blue Lagoon
Dauer: 12 Stunden
Strecke: 326km

Wow. Es ist soweit, der letzte Tage in Island steht bevor. Unglaublich schnell sind die letzten zweieinhalb Wochen vergangen, in denen ich so viel gesehen und erlebt habe, dass ich die ganzen Eindrücke noch gar nicht richtig auf mich wirken lassen konnte. Es soll ein langer Tag werden, der vor mir liegt. Denn mein Rückflug geht erst um 1 Uhr in der Nacht, den Mietwagen muss ich erst um 23 Uhr am Flughafen Keflavík abgeben.

Ich starte also gemütlich in den Tag, genieße den Ausblick vom Meer von meinem Bett aus, gönne mir ein ausgiebiges Frühstück und versuche schlussendlich, Herr über mein Packchaos zu werden. Bevor ich von Snæfellsnes wegfahre, hole ich mir in Arnarstapi noch einen Cappuccino im Café-Restaurant des Campingplatzes und setze mich dabei gemütlich in die Sonne. Und auch ein erneuter Stopp am Ytri-Tunga Beach darf nicht fehlen, zu sehr hat es mir dieser vor zwei Tagen angetan und ich möchte nochmal mein Glück versuchen, Seelöwen am Strand zu sehen. Tatsächlich habe ich Glück und muss nicht mal den Strand nach West oder Ost entlang spazieren, denn direkt vor meiner Nase sonnt sich eine Robbe gerade genüsslich auf einem Fels. Ich schau eine zeitlang zu und genieße die morgendliche Ruhe am Strand, bis ich mich schlussendlich doch losreißen kann, um die Fahrt in den Südwesten anzutreten.

In Borgarnes tanke ich nochmal den Wagen auf, hole mir Verpflegung für die Fahrt und schaue, ob ich im Ljómalind Farmers Market noch ein Souvenir finde, bevor ich mich endgültig auf den Weg mache. Ich entscheide mich kurzerhand doch dafür, den direkten Weg über den 5,7km langen Tunnel Hvalfjarðargöng zu nehmen, welcher abschnittsweise bis zu 165m unter dem Meeresspiegel des Hvalfjörður liegt. € 10, sind für PKW zu bezahlen, ersparen aber rund 40km Umweg, wenn man den Fjord entlang des Ufers ausfährt.

Reykjanes | © individualiciousReykjanes | © individualiciousReykjanes | © individualicious  Reykjanes | © individualicious

Mein erster Stopp auf der Halbinsel Reykjanes ist das dritte Hochtemperaturgebiet auf meiner Reise – die Seltún Geothermal Area. Ich hatte vorab kurz überlegt, ob sich ein Stopp hier überhaupt lohnen würde, hatte ich doch bereits in der Mývatn-Gegend ein eindrucksvolles Hochtemperaturgebiet gesehen. Doch, ich wurde eines besseren belehrt, denn so beeindruckend Hverarönð am Fuße des Námafjell auch war, landschaftlich gefällt mir Seltún dann fast noch einen Ticken besser. Das Gebiet kann über einen Holzpfad begangen werden, aufgrund der hohen Temperatur ist ein Verlassen des Pfades auch ausdrücklich verboten.

Ich habe bei meinem Besuch etwas Pech und schon kurz nachdem ich selbst ankomme, fahren zwei Reisebusse am Parkplatz vor, so dass innerhalb kürzester Zeit kaum noch ein Entkommen der größeren Touristengruppen ist. Und dennoch ist Seltún landschaftlich eines der Highlights, eingebettet in die grüne Landschaft der Umgebung.

Zurück am Auto, möchte ich einen Abstecher bei der Krýsuvíkurkirkja einlegen, da ich zuvor einige Bilder gesehen hatte. Doch ich habe Pech, denn so wie es scheint, existiert die Kirche nicht mehr da, wo sie eigentlich sein sollte. Kein Wunder also, dass ich zuvor den genauen Standort auch nicht wirklich gefunden und mich vor Ort auf Hinweisschilder verlassen musste.

Seltún Geothermal Area, Island | © individualiciousSeltún Geothermal Area, Island | © individualiciousSeltún Geothermal Area, Island | © individualicious  Seltún Geothermal Area, Island | © individualiciousSeltún Geothermal Area, Island | © individualiciousSeltún Geothermal Area, Island | © individualicious  Seltún Geothermal Area, Island | © individualiciousSeltún Geothermal Area, Island | © individualiciousSeltún Geothermal Area, Island | © individualicious

Nach Seltún steuere ich zugegeben etwas schwermütig mein letztes Sightseeing-Ziel des Tages an: die Gemeinde Reykjanesbær im äußeren Westen der Halbinsel Reykjanes. Ich habe noch einige Zeit, um auch noch die letzten Sehenswürdigkeiten im Südwesten Islands anzusehen und so entscheide ich mich, schlussendlich doch auch die Bridge between Continents anzusteuern. Ich hatte schon geahnt, dass dieser Stopp vielleicht nicht wirklich aufregend sein würde und so war es schlussendlich auch. Über eine kleine Schlucht ist eine Brücke angelegt, auf beiden Seiten erhalten Besucher Infos über die nordamerikanische und die eurasische Kontinentalplatte.

Reykjanesbær | © individualicious  Reykjanesbær | © individualicious

Neben der Bridge between Continents gibt es im Südwesten der Halbinsel Reykjanes mitunter auch noch den ältesten Leuchtturm Islands zu sehen, der mit 26m vor allem als Landkennung für Reykjavík und Keflavík dient. Ein Spaziergang vom Leuchtturm weiter zur Küste lohnt, denn hier offenbart sich nochmals ein kilometerweiter Blick über das Meer. Es ist eine für Island oftmals zu findende Felsküste, so dass wenige Meter vom Ufer ein Felsen aus dem Wasser ragt. Ein kleiner Hügel direkt an der Küste kann über einen einfachen Pfad bestiegen werden, von dem aus man nochmals einen Blick über die Küste und weit hinweg ins Landesinnere hat. Ich setze mich kurz ins Gras und genieße den Ausblick, doch langsam aber sicher zieht es mich weiter zu meinem allerletzten Stopp des zweieinhalbwöchigen Island-Roadtrips.

Reykjanesbær | © individualicious  Reykjanesbær | © individualiciousReykjanesbær | © individualicious

Und dieser ist, wie kann es auch anders sein, ganz klassisch ein Besuch in der Blue Lagoon. Ich hatte eine zeitlang hin und her überlegt, ob es mir den Eintritt (an € 55,- bei Vorab-Buchung online) wert ist und ob mich nicht die einhellige Meinung aller Freunde und Blogbeiträge davon abhalten sollte – zu touristisch lautete das einstimmige Urteil. Doch zum einen hatte ich einen langen Abend vor mir, immerhin ging mein Rückflug erst um 1 Uhr nachts und so bot sich ein abendlicher Besuch der Blauen Lagune geradezu an. Zum anderen wollte ich mir schlussendlich selbst ein Bild machen und das Highlight Islands dann doch auch selbst kennen lernen.

Schon vorab hatte ich ein Ticket für 20 Uhr gebucht, aufgrund des aufkommenden Hungers parkte ich aber schon gegen 19 Uhr am Parkplatz vorm Eingang – in der Hoffnung, noch eine Kleinigkeit essen zu können, bevor ich dann tatsächlich reinkonnte. Glück gehabt, denn das Blue Lagoon Café ist auch ohne Eintritt zu erreichen und bietet neben Salaten, Sandwiches und Sushi auch Getränke, Kaffee oder Süßes. Generell erscheint mir das Café ein guter Tipp zu sein, für alle, die noch unsicher sind, ob sie die Blue Lagoon tatsächlich besuchen wollen. Denn vom Café weg erlauben große Panoramafenster einen Blick über die Blue Lagoon, so dass man sich auch ohne Eintrittsticket einen Eindruck verschaffen und entscheiden kann, ob zu viel los ist oder nicht.

Kurz vor 20 Uhr stellte ich mich dann an der kurzen Schlange an der Kasse an, um mein Eintrittsband und ein Handtuch entgegen zu nehmen. Und schon war ich drin. Die Umkleiden sind nach Männer – Frauen getrennt, Schließfächer erlauben die Kleidung und andere persönliche Gegenstände sicher zu verstauen. Einmal durch die Dusche (ein Muss bevor es ins Wasser geht) und schon stehe ich am Becken und strecke meine Zehen ins angenehm warme Wasser. Rückblickend betrachtet, ist die Blue Lagoon ein Erlebnis, welches man sich am Abend vor der Abreise durchaus gönnen kann – aber nicht zwangsweise muss. Die Anlage selbst ist schön gestaltet, mit der Lagune selbst, der Gesichtsmaske, welche man sich holen kann, und der Poolbar hat man sich Mühe gegeben, die Besucher bei Laune zu halten. Und auch wenn es nicht unbedingt wenige Besucher waren, für einen Samstagabend war es schlussendlich ok. Immerhin ist die Blue Lagoon groß genug und für eine beachtliche Anzahl an Besuchern ausgelegt.

Als nach einer knappen Stunde im Wasser meine Finger und Zehen langsam zu Schwimmflossen mutieren, entspanne ich noch ein paar Minuten im (innenliegenden) Ruhebereich mit Blick über die Blaue Lagune und packe nach rund zwei Stunden in Summe wieder meine Sache, um mich auf dem Weg zum Flughafen zu machen. Perfektes Timing könnte man sagen, denn als ich gegen halb elf aus dem Gebäude heraustrete und den langen Weg zurück zum Parkplatz spaziere, verschwindet am Horizont gerade die Sonne…

Blue Lagoon Iceland | © individualiciousBlue Lagoon Iceland | © individualicious  Blue Lagoon Iceland | © individualiciousBlue Lagoon Iceland | © individualiciousBlue Lagoon Iceland | © individualiciousBlue Lagoon Iceland | © individualicious  Blue Lagoon Iceland | © individualiciousBlue Lagoon Iceland | © individualiciousBlue Lagoon Iceland | © individualicious

Um mir den Abschied so richtig schwer zu machen, verabschiedet mich Island mit einem kitschigen Sonnenuntergang und einer unglaublich schönen Abendstimmung auf den letzten 20km zum Flughafen – um 23 Uhr abends. Mitternachtssonne kann eben selbst Anfang August noch so richtig was.

Verið þér sælar, Island!
Ich komme wieder. Versprochen.

Reykjanes | © individualiciousReykjanes | © individualicious

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09/08/2016
Danke für deine tollen Island-Beiträge! Habe sie alle mit großem Interesse gelesen. Jetzt ist klar, ich muss ganz bald mal nach Island - deine Bilder sind einfach zu verlockend :-)
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    Mela
    09/08/2016
    Vielen lieben Dank, Christine! Unbedingt solltest du bald nach Island ;) Bis dahin gibt's auch noch einen Beitrag über Reykjavík und wohl noch bisschen allgemeine Infos zu meiner Reise.
    Antworten
09/08/2016
Das letzte Foto hat bei mir einen gigantischen Schwall an Erinnerungen, Fernweh und Sehnsucht ausgelöst.
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    Mela
    09/08/2016
    Das war auch ein magischer Moment!
    Antworten
10/08/2016
diese Serie habe ich wirklich sehr genossen und jeden einzelnen Abschnitt deiner Reise gepinnt - denn Island steht auch auf unserer Wunschliste ziemlich weit oben und es waren tolle Impressionen und Tipps. Danke dafür :) und viele liebe Grüße Julia
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    Mela
    10/08/2016
    Das freut mich wirklich sehr zu hören, Julia. Und ich hoffe, dass du es bald nach Island schaffst!
    Antworten
11/08/2016
Wundervoller Reisebericht. Ich kann mir vorstellen, wie schwer es gewesen sein muss den Rückflug nach Hause anzutreten. Danke, dass du uns nach Island mitgenommen hast, ich habe viel Neues erfahren und deinen Berichten konnte man entnehmen, wie Island "in Wirklichkeit ist", abseits der Postkartenmotive. Jetzt fehlt nur noch, dass ich mich selbst davon überzeugen kann, so live vor Ort ... Hoffentlich eines Tages. <3
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15/08/2016
Hallo, vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht. Für uns geht es in kürze auch nach Island und wir freuen uns schon wahnsinnig. LG
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    Mela
    15/08/2016
    Dann wünsche ich euch super-viel Spaß und eine großartige Zeit!
    Antworten
29/08/2016
Also Island steht auf meiner Bucket-List ja schon lange ganz weit oben, aber als ich jetzt deinen Post gelesen und die Bilder gesehen habe, steht es noch mehr fest, ich muss und werde ganz bald mal nach Island fliegen :) Danke für die tollen Impressionen, sieht nach einem traumhaften Trip aus :) Alles Liebe, Sarah www.liebreizend.com
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    Mela
    30/08/2016
    Es war traumhaft, ja! ;)
    Antworten