Ausgangspunkt: Sunnuhlíð Houses
Endpunkt: Sunnuhlíð Houses
Route: Húsavik – Akureyri
Dauer: 10 Stunden
Strecke: 188km

Schon früh sitze ich im Auto in Richtung Húsavik, denn ich habe für 10 Uhr eine Whale Watching Tour mit North Sailing gebucht. Schon am Abend zuvor habe ich mich über die verschiedenen Anbieter informiert und mich schlussendlich für North Sailing entschieden, da sich dieses Unternehmen das Thema Umweltschutz auf die Fahnen schreibt und in Summe mitunter den professionellsten Eindruck macht. Auch, wenn sie nicht die günstigsten Anbieter sind.

Nach der Ticketabholung trinke ich ihm zugehörigen Café noch einen Cappuccino und mache mich dann auf in Richtung Schiff. Garðar lautet der Name des Schiffes für diese Tour. Bereits 1964 in Dänemark gebaut, ist es das längste Eichen-Boot welches heute noch in Island in Gebrauch ist. Nachdem alle an Bord sind und einen Overall zum Warmhalten angezogen haben, schippern wir auch schon langsam aus dem Hafen raus in die Skjálfandi Bucht. Den Sicherheitsvorkehrungen an Bord folgen die wichtigsten Infos für die nächsten drei Stunden: eine Einführung in die Richtung, in welche wir blicken müssen, sobald ein Wal gesichtet wurde.

Whale Watching Husavik | © individualiciousWhale Watching Husavik | © individualiciousWhale Watching Husavik | © individualicious

Und ja, tatsächlich dauert es nicht allzu lange, bis wir die erste Finne aus dem Wasser ragen sehen. Direkt neben uns ist ein Minkwal, auch Zwergwal genannt, der sich richtig nah an unser Boot herantraut. Immer wieder taucht er auf und ab und in der nächsten Stunde entdecken wir so einige weitere Minkwale. Unsere Guides des heutigen Tages wollen sich damit aber noch nicht zufrieden geben, wir fahren weiter raus, um größere Wale zu sichten. Wieder haben wir Glück und es dauert nicht allzu lange, bis ein Buckelwal vor uns auftaucht. Meist ist der Blas, die ausgeatmete Atemluft, als erstes weit entfernt zu sehen, bis kurz darauf auch der Buckelwal selbst aus dem Wasser auftaucht. Wiederholt kommt er an die Wasseroberfläche, bevor er mit einem kräftigen Flossenschlag für längere Zeit wieder abtaucht. Es ist ein beeindruckendes Schauspiel, welches sich immer näher an unserem Boot abspielt und es dauert meist nicht lange, bis wir wieder an einer anderen Stelle einen Buckelwal entdecken.

Whale Watching Husavik | © individualiciousWhale Watching Husavik | © individualiciousWhale Watching Husavik | © individualicious  Whale Watching Husavik | © individualiciousWhale Watching Husavik | © individualiciousWhale Watching Husavik | © individualicious  Whale Watching Husavik | © individualiciousWhale Watching Husavik | © individualiciousWhale Watching Husavik | © individualicious  Whale Watching Husavik | © individualiciousWhale Watching Husavik | © individualicious

Rund drei Stunden dauert die Whale Watching Tour, auf dem Weg zurück in den Hafen werden wir mit Zimtschnecken und heißer Schokolade versorgt. Die Erfolgsquote der lokalen Anbieter kann sich sehen lassen, immerhin liegt sie bei rund 98-99%. Zugegeben: ab und an beschleicht einem ein seltsames Gefühl, wenn ein Wal gesichtet wurde und alle umliegenden Boote sofort auf ihn zusteuern. Die Tour hinterlässt also einen etwas gemischten Eindruck bei mir, war aber trotz allem ein tolles Erlebnis. Im Anschluss geht’s noch zu einem kurzen Abstecher ins Walmuseum von Húsavik, wo man über Lebensraum, Nahrungsaufnahme, Fortpflanzung und Arten von Walen über Walfang bis hin zu Walstranden so ziemlich alles über Wale lernen kann. Spannende Erkenntnis: Die Anbieter in Húsavik haben erst im Februar letzten Jahres einen „Code of Conduct for Responsible Whale Watching“ unterschrieben. Eine äußerst positive Sache, dennoch bin ich überrascht, dass dies noch nicht so lange der Fall ist.

Nach der Whale Watching Tour und einer kurzen Stärkung bei Fish & Chips geht’s zurück nach Akureyri, um die zweitgrößte Stadt Islands zu besichtigen. Rund 18.000 Einwohner zählt Akureyri, schnell fällt auf, dass es hier einerseits eine unglaublich große Auswahl an internationaler Küche gibt und die Kunstszene einigermaßen groß erscheint. Akureyri ist eine sehenswerte Kleinstadt, welche mich in weiten Teilen stark an Reykjavik erinnert. Eine Einkaufsstraße, die am Fuße der Akureyrarkirkja endet, ein Kultur- und Kongresszentrum am Hafen, eine Skulptur an der Uferpromenade und ebenfalls viel Street Art. Mitunter – wohl für Isländer selbst – die wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt ist das so genannte Nonni-Haus des isländischen Schriftstellers Jon Sveinsson. Ebenfalls spannend: Akureyri hat sich anfangs im heutigen Süden der Stadt entwickelt, mit der Zeit wurde auch der Norden besiedelt. Gegenseitiges Unbehagen war hier an der Tagesordnung und so baute man einst die Gamli Skóli, die älteste Schule der Stadt, auf den Meter genau in der Stadtmitte, um Reibereien zu vermeiden.

Akureyri | © individualiciousAkureyri | © individualiciousAkureyri | © individualicious  Akureyri | © individualiciousAkureyri | © individualiciousAkureyri | © individualiciousAkureyri | © individualicious

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05/08/2016
Und in Norwegen wird der Minkwal an vielen Orten auf der Speisekarte angeboten, was für uns sehr befremdlich war... :-( Aber Island wäre auch mal was. Vielen lieben Dank für die tollen Berichte!
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    Mela
    05/08/2016
    Immerhin gilt hier in Island Walfangverbot, somit landet auch nichts auf den Tellern. Dachte mir dann eben auch: besser beobachten als jagen. Aber kenne das von Norwegen, das Fleisch gibt's sogar in manchen Läden zum kaufen.
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      07/08/2016
      Das stimmt nicht. Auch Island jagt leider Finn- und Zwergwale, siehe hier: http://de.whales.org/themen/walfang-in-island. Ich habe auf Island Walfleisch in Supermärkten und auf Speisekarten von Restaurants gesehen. Einmal wurde sogar ein "Puffin-Whale-Menu" angeboten. Es wird als Touristenattraktion angepriesen, um den Absatz anzukurbeln und so den Walfang zu rechtfertigen. :-(
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        Mela
        09/08/2016
        Ok, das war mir nicht bekannt. Und ist mir auch nirgends untergekommen, wo ich gewesen bin.
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