Karin ist freie Redakteurin und Social Media Managerin und verbringt seit mittlerweile 3,5 Jahren den Großteil des Jahres in der quirligen Vesuv-Metropole Neapel. Als gebürtige Steirerin zog sie mit 18 nach Wien, wo sie ihr Studium der Kommunikationswissenschaften absolvierte und insgesamt sieben Jahre verbrachte. Auf ihrem Reise- und Lifestyleblog lemonsandvolcanoes.com berichtet sie über ihren Alltag zwischen Vespa-Rowdies und seltsamen Heiligenverehrungen und gibt Tipps zum Umgang mit Unmengen an Kohlehydraten.

Was macht Neapel für dich so besonders?

Die bewegte Geschichte – und Gegenwart. Neapel ist eine Stadt voller Gegensätze: Die faszinierende Altstadt mit ihrem gewaltigen Kulturerbe sowie die unbeschreibliche Schönheit der Küste stehen in krassem Gegensatz zu den offensichtlichen sozialen Problematiken der Metropole des so genannten „Mezzogiorno“.

All das spiegelt sich in der Mentalität der Neapolitaner wieder: „Non ti preoccupare“ – „Mach dir keine Sorgen“ ist wohl der Satz, den man hier am häufigsten zu hören hört. Eine kräftige Portion Lebensfreude gepaart mit unerschütterlichem Optimismus zeichnet die Menschen hier aus und genau das macht wohl auch die Anziehung des Südens auf uns Mittel- und Nordeuropäer aus.

Welche Sehenswürdigkeiten muss man in Neapel gesehen haben?

Die Altstadt Neapels ist für mich eigentlich d i e Sehenswürdigkeit schlechthin und ich könnte Stunden damit verbringen, das quirlige Treiben in den Gassen zu beobachten. Zwischen antiken Schätzen wird hier hantiert, gesungen, gestritten – kurzum gelebt.
Archäologie-Fans dürfen sich keinesfalls Pompeji, die Ruinenstadt im Schatten des Vesuvs, entgehen lassen. Mit dem „Bummelzug“ Circumvesuviana erreicht man die Ausgrabungen schon in einer halben Stunde. Im Anschluss einen Abstecher ins Archäologische Nationalmuseum Neapels einplanen, denn dort befindet sich der Großteil der Originalfunde: Wunderschöne Fresken, Säulen, Skulpturen und Gebrauchsgegenstände lassen den Alltag und die Bewohner der verschütteten Stadt zum Leben erwachen.

Kunstliebhabern lege ich einen Besuch der Kirche „Pio Monte della Misericordia“ in der Via Tribunali ans Herz: Hier befindet sich Caravaggios eindrucksvolles Werk „Sette opere di Misericordia“. Wer mehr Gemälde des großen Meisters sehen möchte wird im Museo Nazionale di Capodimonte sowie im Palazzo Zevallos Stigliano auf der Via Roma fündig.

Ganz unauffällig im Gassengewirr der Altstadt versteckt sich dann noch die Cappella Sansevero, eine kleines Barockkirchlein, das die atemberaubende Marmorfigur des „verhüllten Christus“ Cristo velato birgt. Ein absolutes Meisterwerk, dass auch Museumsmuffel in seinen Bann zieht.

Wo genießt du am liebsten eine Tasse Kaffee?

Eine Tasse Kaffee zu genießen ist in Neapel gar nicht so einfach. Als ich nach sieben Jahren gemütlicher Wiener Kaffeehauskultur zum ersten Mal hier auf einen Kaffee eingeladen wurde, war ich ziemlich verdutzt: Rein in die Bar, an den Tresen („il banco“) , runter mit den 3 Tropfen (denn mehr ist ein echter neapolitanischer „caffè“ tatsächlich nicht) und das war’s dann auch schon. Das ganze dauert manchmal keine fünf Minuten. Mehr Zeit zum Genießen bietet hingegen ein schöner Aperitivo, ein Aperol-Spritzer oder Campari-Soda, gemeinsam mit Freunden so gegen 19h. Die meisten Lokale servieren den Drink mit einer Auswahl kleiner Häppchen, trotzdem passiert’s oft dass aus einem „Spritz“ 4 werden und das Abendessen erst gegen 23h in entsprechend heiterer Stimmung eingenommen wird.

Wo kann man Neapel am besten von oben erblicken?

Ganz klar: Castel Sant’Elmo. Die Festung am Vomero bietet von den Laufgräben aus ein unbeschreibliches 360Grad Panorama über die Stadt und den Golf von Neapel. Einer meiner absoluten Lieblingsplätze überhaupt… Vor einiger Zeit wurde dort auch ein Museum mit interessante Wechselausstellungen eröffnet, der Besuch ist im Eintrittspreis zur Festung bereits inkludiert.

Wem das noch nicht reicht: Ab auf den Vesuv. Nicht nur der Ausblick über den Golf sondern auch der Krater selbst ist ein absolutes Erlebnis. Das letzte Stück wird zu Fuß zurück gelegt und während der Wanderung eröffnen sich immer wieder atemberaubende Panoramen.

Was ist dein persönlicher Geheimtipp für Neapel?

Hier wird’s schwierig, denn da gibt’s soooo viele! Ich beschränke mich also auf meine Top 3:

Obwohl Neapel am Meer liegt ist es mit Stränden leider schlecht bestellt. Es gibt zwar einige Lidi allerdings leidet die Wasserqualität durch die Nähe zum Hafen und die Eintrittspreise stehen in keiner Relation zum Gebotenen … Das Geld also lieber anderswo ausgeben und stattdessen mit dem Bus 140 von Piazza Vittoria bis zur Endstation fahren und dann den Hinweisschildern zur „Gaiola“ folgen. Ein verstecktes Paradies erwartet euch dort, denn die Bucht ist ein Naturschutzgebiet und für Boote gesperrt. Zudem sind pro Tag nur 100 Besucher erlaubt, also früh aufstehen und Ausweis nicht vergessen!

Sehr beeindruckend war für mich ein Besuch der Katakomben. Insgesamt drei gibt es in Neapel wobei ich die Tour durch die „Catacombe di San Gennaro“ in der Via Capodimonte empfehle. Eine wahre Zeitreise durch die Geschichte und ein toller Rückzugsort vor dem Lärm und Chaos der Stadt (und der Sommerhitze!).

Zu guter Letzt lege ich euch noch einen Besuch des Klostergartens Santa Chiara (Piazza del Gesù) ans Herz. Eine Oase inmitten der chaotischen Altstadt mit wunderschönen, farbenprächtigen Majolika-Säulen im Kreuzgang.

– Vielen Dank für deine Tipps, Karin! –

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23/11/2015
Grazie mille liebe Mela! :-)
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